Ein Podcast hat der Polizei in Louisiana geholfen, den jahrzehntealten Mord an einem 16-jährigen Mädchen offenbar aufzuklären. Wie die Ermittler jüngst bekannt gaben, wurden vier Männer wegen des Verdachts auf Vergewaltigung und Mord festgenommen und angeklagt.
Das Opfer, die damals jugendliche Roxanne Sharp, kam 1982 in den Wäldern von St. Tammany Parish, etwa 48 Kilometer nördlich von New Orleans, ums Leben. Die Polizei hatte aufgrund mangelnder Beweise und fehlender Zeugenaussagen große Schwierigkeiten, den Fall aufzuklären. Jahre später wandten sich die Ermittler an ein lokales Medienunternehmen, das sich bereit erklärte, einen Podcast mit dem Titel »Wer hat Roxanne Sharp getötet?« zu produzieren. Die sechsteilige Serie, die vergangenes Jahr ausgestrahlt wurde, weckte erneut das öffentliche Interesse an dem Fall.
Der Sprecher der Staatspolizei von Louisiana, Marc Gremillion, lobte den Podcast dafür, dass er wichtige Hinweise aus der Bevölkerung geliefert und neue Zeugen dazu veranlasst habe, sich an die Ermittler zu wenden. »Es half unseren Ermittlern, den Aufenthaltsort von Roxanne in den Tagen vor ihrem Tod bis zum heutigen Stand zu rekonstruieren«, sagte Gremillion gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Die Folgen seien eine große Hilfe dabei gewesen, »diese Information an die Öffentlichkeit zu bringen und daher auch, dass sich die Zeugen bei uns meldeten«, so Gremillion.
Verdächtige sind bereits über 60
Bei den Festgenommenen handelt es sich um vier Männer im Alter von 62 und 64 Jahren. Zwei von ihnen saßen bereits wegen anderer Delikte im Gefängnis. »Wir wissen die große Unterstützung und Anteilnahme im Fall von Roxanne Sharp sehr zu schätzen«, erklärte eine Verwandte des Opfers im Namen ihrer Familie. »Wir hoffen, dass Gerechtigkeit unserer Familie, ihren Angehörigen und der gesamten Gemeinde Heilung und einen Abschluss bringen wird.«
Einer der Söhne eines der Verdächtigen sagte, sein Vater sei unschuldig an dem Verbrechen. »Er glaubt, sie kreiden ihn für etwas an, das er nicht getan hat«, so der Mann. »Er sagt, er würde niemals in seinem Leben jemandem wehtun.«
»Als wir mit dem Podcast anfingen, dachten wir erst, es würde niemanden interessieren – da wurden wir schnell eines Besseren belehrt«, sagte Charles Dowdy, Vizepräsident von Northshore Media, dem Produktionsunternehmen des Podcasts. »Viele Leute meldeten sich und sagten, sie kannten Roxanne, erinnerten sich an sie, sie seien mit ihr befreundet gewesen.«
Dowdy zeichnete Audioaufnahmen auf, während die Ermittler den Tatort mithilfe von Maßbändern rekonstruierten, um die genauen Fundorte von Sharps Leiche und anderen Beweismitteln zu markieren. »Es zeigte sich ganz klar, dass sie auf der Straße gepackt und in den Wald gezerrt worden war«, sagte Dowdy.
»Unaufgeklärte Fälle lösen sich nicht von selbst«
Die Polizei hatte den Fall zunächst für gelöst gehalten, nachdem der Serienmörder Henry Lucas die Verantwortung für Sharps Mord übernommen hatte. Doch Lucas, bekannt für seine falschen Geständnisse, widerrief später seine Aussage, und weitere Beweise widerlegten seine Verbindung zum Mord.
»Unaufgeklärte Fälle lösen sich nicht von selbst«, erklärte Polizeichef Michael Ferrell aus Covington in einer Stellungnahme. »Sie werden aufgeklärt, weil sich Menschen Jahr für Jahr melden und nicht aufgeben. Genau das haben unsere Behörden getan, und heute haben Roxanne und ihre Familie endlich die Gerechtigkeit erfahren, auf die sie so lange gewartet haben.«
In Deutschland gibt es derzeit mehrere Tausend ungeklärte Altfälle. Immer mehr Bundesländer richten deshalb sogenannte Cold-Case-Units ein. Eine SPIEGEL-Recherche zeigt, wie mühsam die Arbeit der Spezialermittler ist. Den ganzen Text lesen Sie hier.
