SpOn 23.03.2026
09:31 Uhr

Lionel Jospin ist tot: Frankreichs Ex-Regierungschef mit 88 Jahren gestorben


Jahrelang war Lionel Jospin Vorsitzender der sozialistischen Partei in Frankreich. Von 1997 bis 2002 war er Regierungschef. Nun ist er im Alter von 88 Jahren gestorben.

Lionel Jospin ist tot: Frankreichs Ex-Regierungschef mit 88 Jahren gestorben

Frankreichs früherer Regierungschef Lionel Jospin ist tot. Er starb am vergangenen Sonntag im Alter von 88 Jahren, wie seine Familie am Montag der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Auch Frankreichs aktueller Premier Sébastien Lecornu und Jospins Partei PS verbreiteten die Todesnachricht.

Der langjährige Chef der sozialistischen Partei war von 1997 bis 2002 unter dem konservativen Staatspräsidenten Jacques Chirac Premierminister. Jospin trat zweimal vergeblich bei Präsidentschaftswahlen an.

Während seiner Amtszeit setzte Jospin die 35-Stunden-Woche durch. Zu den von ihm durchgesetzten Errungenschaften gehören zudem die allgemeine Krankenversicherung und die eingetragene Lebenspartnerschaft (Pacs) als erster Schritt in Richtung Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Unter ihm wurde zudem die Amtszeit des Präsidenten auf fünf Jahre verkürzt.

Linke Nostalgie

Jospin wurde am 12. Juli 1937 in Meudon bei Paris als Sohn einer protestantischen Lehrerfamilie geboren. Schon in jungen Jahren engagierte er sich in linken Organisationen. Gefördert wurde Jospin dabei von dem langjährigen Präsidenten François Mitterrand, der als sein politischer Ziehvater galt. Jahrelang führte Jospin die sozialistische Partei (PS) an, mehrfach diente er als Bildungsminister.

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Die heutige Linke in Frankreich schaut mitunter nostalgisch auf Jospin zurück. Als Architekt der »gauche plurielle«, also einer vielfältigen Linken, schaffte er es, Gräben zwischen den Parteien des linken Spektrums zu überwinden. Mit dem Zusammenschluss gewann das linke Lager 1997 die Parlamentswahl gegen die bürgerliche Rechte von Präsident Jacques Chirac. Jospin wurde Premier der rotgrünen Regierung.

Jospin zog sich vorzeitig aus der Politik zurück, nachdem er bei der Präsidentschaftswahl 2002 in der ersten Runde auf den dritten Platz kam und überraschend der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen in die Stichwahl einzog.

col/AFP/dpa