SpOn 27.03.2026
11:23 Uhr

Lindsey Vonn über ihren schweren Unfall: »Ich schrie aus voller Kehle: Holt mich hier raus!«


Skirennfahrerin Lindsey Vonn beschreibt detailliert die ersten Stunden nach ihrem Sturz bei den Olympischen Winterspielen. Die Zeit auf der Intensivstation habe sie fast den Verstand gekostet.

Lindsey Vonn über ihren schweren Unfall: »Ich schrie aus voller Kehle: Holt mich hier raus!«

Rund sechs Wochen nach ihrem Unfall bei den Olympischen Winterspielen in Italien hat Lindsey Vonn, 41, erstmals detailliert über ihren Sturz und die Stunden danach gesprochen. »Ich hatte so extreme Schmerzen«, sagte die Skirennfahrerin dem Magazin »Vanity Fair« .

Als sie in einem Computertomografen gelegen habe, hätten die Schmerzmittel plötzlich nicht mehr gewirkt. »Ich schrie aus voller Kehle: Holt mich hier raus! Es wollte einfach nicht nachlassen. Es hörte nicht auf. Das hat sich mir tief ins Gehirn eingebrannt.«

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Vonn hatte sich bei dem Unfall in der Abfahrt eine schwere Knie- und Unterschenkelverletzung zugezogen. Der US-Teamarzt Tom Hackett begleitete die Skirennfahrerin in die Klinik. Dort habe sich die Lage wenige Stunden nach der ersten Operation verschlechtert. »Es wird immer schlimmer, und sie spricht nicht auf riesige Mengen an Fentanyl, Morphin, Oxycodon – einfach auf jedes nur erdenkliche Betäubungsmittel – an«, erinnerte sich Hackett.

Bei der Sportlerin entwickelte sich demnach ein sogenanntes Kompartmentsyndrom: Der Druck im Gewebe rund um die Verletzung steigt dabei stark an. Das könne man sich vorstellen wie »Hot Dogs oder Bratwürstchen auf dem Grill«, sagte Hackett. »Sie schwellen immer mehr an. Und irgendwann platzen sie.«

Lindsey Vonns Sturz in der Abfahrt

Lindsey Vonns Sturz in der Abfahrt

Foto: Jacquelyn Martin / AP / dpa

Mit einer Notoperation hätten Hackett und weitere kurzfristig herbeigerufene Ärztinnen und Ärzte den Druck lindern können und so schwere Schäden am Bein oder sogar eine Amputation verhindert.

Neben den kaum auszuhaltenden Schmerzen hätten Vonn auch die Realitäten auf der Intensivstation zugesetzt. Pflegekräfte hätten sie alle drei Stunden geweckt und in einer Sprache gesprochen, die sie nicht verstand. Sie habe sich ein Zimmer mit anderen Patientinnen und Patienten geteilt, nur ein dünner Vorhang habe sie getrennt – während eine Amputation ihres Beins im Raum stand. Das Licht sei bis 23 Uhr angeblieben, das Notausgangsschild habe die ganze Nacht geleuchtet. »Ich musste all meine Kraft aufbringen, um nicht den Verstand zu verlieren«, sagte Vonn.

Nachdem ein Rettungsflieger sie in die USA gebracht hatte, wurde der Bruch ein viertes Mal operiert. Erst danach konnte Vonn in ihr Haus in Park City im Bundesstaat Utah zurückkehren. Dort begann sie mit der Reha.

»Ich will nicht, dass ich deswegen in Erinnerung bleibe«

Die einstige »Speed-Queen« – Olympiasiegerin und 84-malige Weltcupsiegerin – ärgert, dass der Unfall alles überstrahle. »Ich will nicht, dass Leute sich auf den Sturz fixieren und ich deswegen in Erinnerung bleibe«, sagte sie. »Was ich vor Olympia getan habe, hat noch nie jemand geschafft. Ich war die Nummer eins im Klassement. Niemand erinnert sich daran, dass ich gewonnen habe.«

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Auf die Frage von »Vanity Fair«, ob sie noch einmal an eine Rückkehr in den Weltcup denke, antwortete Vonn: »Ich will keine Tür zumachen, weil man nie weiß, was noch passiert. Ich habe keine Ahnung, wie mein Leben in zwei, drei oder vier Jahren aussehen wird. Vielleicht habe ich bis dahin zwei Kinder. Oder ich habe keine Kinder und will wieder Rennen fahren. Vielleicht lebe ich dann in Europa. Ich könnte alles Mögliche machen.«

Lindsey Vonn wollte Gold – mit einem verletzten Knie. Dann verlor sie die Kontrolle, es folgten schockierende Bilder. Wie selbst die größte Abfahrerin die menschlichen Grenzen nicht verschieben konnte, lesen Sie hier .

luc/dpa