Nach dem Abbruch des Prozesses gegen Lindsay Clancy haben Mitglieder der Jury erstmals öffentlich über die Hintergründe gesprochen. Die drei Frauen schilderten im Interview mit dem Sender NBC10 , wie sehr die Geschworenen um eine Einigung gerungen hatten. Sie hatten auch nach mehr als 38 Stunden nicht zusammengefunden, sodass das Verfahren ohne eindeutiges Ergebnis endete.
Laut der Vorsitzenden Roni Carlson tendierte die Jury offenbar dazu, Clancy für schuldunfähig zu erklären. Nur ein männlicher Geschworener habe eine andere Meinung gehabt. An einem Punkt habe er »eingeräumt, begründete Zweifel« an Clancys Schuldfähigkeit zu haben, sagte Carlson. »Ich fing an, die Formulare auszufüllen. Ich war total aufgeregt.« Anschließend habe der Kollege aber gesagt, dass er einem Freispruch trotzdem nicht zustimmen wolle.
@nbc10boston Three jurors from the Lindsay Clancy murder trial, including the foreperson, have come forward to discuss what happened during deliberations. Watch more from their interview with @Sue O’Connell at nbcboston.com
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Während der Beratungen hätten die Geschworenen teils so laut gestritten, dass das Geschrei durch die Wände zu hören war. Es habe »viele Tränen und dann Umarmungen« gegeben, sagte Carlson. Dass der Prozess scheiterte, nannte sie »furchtbar« und sprach von einer »emotionalen Achterbahnfahrt«. »Ich war so traurig, dass wir kein Urteil für Lindsay fällen konnten. Es war so herzzerreißend.« Eine andere Geschworene bezeichnete den abtrünnigen Kollegen als »arrogant«. Er habe sich »nichts von dem zu Herzen genommen«, was andere gesagt hätten.
Ex-Mann wehrt sich gegen Verschwörungstheorien
Der Fall Clancy hatte über die USA hinaus für Aufsehen gesorgt. Die heute 36-Jährige hatte 2023 ihre drei Kinder erdrosselt. Laut ihrer Verteidigung litt sie unter einer falsch behandelten postpartalen Psychose und hatte mehrmals versucht, medizinische Hilfe zu bekommen. »Es ging uns nicht darum, herauszufinden, ob sie die Kinder ermordet hat. Das hat sie, und sie hat es auch zugegeben«, sagte Carlson. »Wir versuchen herauszufinden, ob sie zu diesem Zeitpunkt zwischen Recht und Unrecht unterscheiden konnte.«
Zahlreiche Mütter hatten sich mit Clancy solidarisiert. Auch ihr Ex-Mann Patrick Clancy warb kurz nach der Tat um Empathie für seine Frau. Um ihn entbrannte online eine eigene Verschwörungstheorie: Er sei in Wahrheit der Täter. Dabei ist er auf Überwachungsaufnahmen einer Apotheke und eines Restaurants zu sehen, die er während des Tatzeitraums besuchte. Sein Anwalt kündigte nun »Konsequenzen« an: »Diese Verbreitung offensichtlicher und unbegründeter Unwahrheiten muss aufhören«, heißt es in einer Mitteilung.
Die Jury im Fall bestand aus neun Frauen und drei Männern, deren Identität während des Prozesses geheim gehalten wurde. In den USA ist es Geschworenen nach dem Ende eines Verfahrens allerdings erlaubt, sich dazu zu äußern. In prominenten Fällen wie diesem machen viele von diesem Recht Gebrauch.
