Gut drei Wochen nach Vereinbarung einer Waffenruhe im Konflikt zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz nehmen die Kämpfe wieder deutlich zu. Am Sonntag hat die israelische Armee nun neue Evakuierungsaufrufe für Ortschaften außerhalb des von ihr kontrollierten Gebietes im Süden des Libanon herausgegeben.
Die Menschen sollten ihre Häuser unverzüglich verlassen, erklärte der arabischsprachige israelische Militärsprecher Avichay Adraee im Onlinedienst X. Er wies die Bevölkerung zudem an, sich mindestens einen Kilometer entfernt von den Dörfern und Städten in offene Gebiete zu begeben. Die Evakuierungsaufrufe umfassen mehr als zehn Dörfer und Städte.
Seit dem 17. April gilt eine Feuerpause zwischen Israel und dem Libanon. Dessen ungeachtet hat Israel seitdem wiederholt Angriffe ausgeführt. Diese galten laut israelischen Armeeangaben Stellungen der proiranischen Hisbollah-Miliz. Dem Waffenruheabkommen zufolge hat Israel das Recht, gegen »geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe« vorzugehen.
Am Samstag wurden libanesischen Angaben zufolge bei israelischen Luftangriffen im Süden des Landes fünf Menschen getötet. Die israelische Armee teilte in einem Post auf der Plattform X mit, binnen 24 Stunden sei es zu rund 50 Angriffen im Südlibanon gekommen. Das Militär zerstöre weiterhin »Terror-Infrastruktur« in dem nördlichen Nachbarland und töte dort Terroristen, hieß es in dem Post.
Kloster im Südlibanon bei Angriff beschädigt
Laut israelischen Angaben wurde dabei auch ein Gebäude auf einem »religiösen« Gelände beschädigt. Im Dorf Jarun eingesetzte Soldaten hätten bei der Zerstörung von »terroristischer Infrastruktur« in der Gegend eines der Häuser in »einer religiösen Anlage« beschädigt, erklärte Armeesprecher Adraee am Samstag im Onlinedienst X. Demnach feuerte die Hisbollah von dem Gelände aus mehrere Raketen auf israelisches Gebiet ab.
Adraee zufolge gab es »keine sichtbaren Anzeichen dafür, dass es sich um ein religiöses Gebäude handelte«. Sobald eindeutige Erkennungsmerkmale an einem anderen Gebäude auf dem Gelände festgestellt worden seien, hätten die Streitkräfte gehandelt, »um weitere Schäden am Gelände zu verhindern«.
Der französischen katholischen Hilfsorganisation L'Œuvre d’Orient zufolge handelte es sich bei dem Gelände um ein Kloster der Salvatorianerinnen, ein griechisch-katholischer Orden, dem auch die Hilfsorganisation angehört.
Die Organisation erklärte, sie verurteile »aufs Schärfste diesen vorsätzlichen Akt der Zerstörung einer Kultstätte sowie den systematischen Abriss von Häusern im Süden des Libanon, der darauf abzielt, die Rückkehr der Zivilbevölkerung zu verhindern«. Das israelische Außenministerium wies die Vorwürfe zurück.
Communiqué de presse :
— L'Œuvre d'Orient (@OeuvredOrient) May 2, 2026
L'Œuvre d'Orient dénonce la destruction d'un couvent à Yaroun
Ce vendredi, l'armée israélienne a procédé à la destruction d'un couvent à Yaroun, un village du Sud Liban. Ce sanctuaire appartenait aux soeurs Salvatoriennes, un ordre religieux…
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Der Libanon war Anfang März in den Irankrieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des iranischen Obersten Führers Ajatollah Ali Khamenei feuerte die von Teheran finanzierte und im Libanon seit Jahrzehnten einflussreiche Hisbollah Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.
Angesichts der brüchigen Waffenruhe, die offiziell noch bis Mitte Mai gilt, drängen die USA auf direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon auf höchster Ebene. Die Waffenruhe war vor rund drei Wochen nach Gesprächen von US-Präsident Donald Trump mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun verkündet worden.
