Schon in den ersten Prognosen lagen die Christdemokraten vor: Die CDU hat die 35-jährige SPD-Herrschaft im rheinland-pfälzischen Landtag gebrochen. Die Christdemokraten konnten im Vergleich zur Landtagswahl 2021 laut Hochrechnungen Stimmen dazugewinnen, die Sozialdemokraten büßten Wählerstimmen ein. Sie erhielten rund zehn Prozentpunkte weniger als 2021.
SPD verliert Wähler an CDU und AfD
Einen Großteil dieser Stimmen verlor die SPD an die CDU. Das geht aus der Analyse zur Wählerwanderung von Infratest dimap auf Grundlage von Nachwahlbefragungen hervor.
Ein weiterer großer Anteil der ehemaligen SPD-Wählerinnen und -Wähler stimmte für die AfD, die ihr bisher bestes Landtagswahlergebnis in Westdeutschland einfahren dürfte. Auch die Christdemokraten verloren Stimmen an die AfD. Sie konnten allerdings Wählerinnen und Wähler von SPD und FDP dazugewinnen und mehr als 30.000 Nichtwähler mobilisieren.
Die meisten Nichtwählerinnen und -wähler, mehr als 80.000, hat die AfD mobilisiert. Diese zeigten sich unbeeindruckt von den Machtkämpfen, von den Skandalen und Vetternwirtschaft bei vielen Funktionären und setzten ihr Kreuz bei der rechtsextremen Partei. Sie konnte ihr Wahlergebnis von 2021 laut den ersten Hochrechnungen mehr als verdoppeln und mehr Wählerstimmen dazugewinnen als die Wahlsiegerin CDU.
Geschlechterspezifische Unterschiede gibt es bei der Rheinland-Pfalz-Wahl kaum. Anteilig sind die Grünen bei den Wählerinnen erfolgreicher, die AfD ist anteilig etwas erfolgreicher bei Männern.
Wer finanziell schlecht gestellt ist, wählte eher die AfD
Deutliche Unterschiede zeigt ein Blick in die Daten über das Wahlverhalten nach sozioökonomischem Status.
Demnach gilt: Wer finanziell eher schlecht gestellt ist, hat in Rheinland-Pfalz eher die rechtsextreme AfD gewählt. Wem es finanziell gut geht, der setzte sein Kreuz bei der Zweitstimme eher bei der CDU oder SPD.
Arbeiter wählen AfD, Rentner CDU und SPD
Während des Wahlkampfs hatte die AfD versucht, das Thema Abschiebungen in den Vordergrund zu rücken. Dies verfing laut den Daten besonders bei einer Wählergruppe: Die AfD konnte mehr Arbeiterstimmen auf sich vereinen als CDU und SPD zusammen.
Die AfD-Wählerschaft in Rheinland-Pfalz verfügt dabei zum Großteil über ein mittleres oder einfaches Bildungsniveau, während die CDU in allen Bildungsklassen gleich erfolgreich ist. Für sie stimmten anteilig besonders viele Selbstständige und Rentner.
Es überrascht daher nicht, dass die CDU bei der ältesten Wählergruppe am erfolgreichsten ist – und ihr Stimmenanteil mit sinkendem Alter nach und nach abnimmt. Nur 15 Prozent der Erst- und Jungwähler in der Altersgruppe 18 bis 24 Jahre konnte die Partei auf sich vereinen. Hätten diese die Wahl allein entschieden, hätte die AfD gesiegt. Mehr als 20 Prozent der Jungwählerinnen setzten ihr Kreuz bei der rechtsextremen Partei. Knapp dahinter liegt die SPD.
Doch auch diese hat Probleme, jüngere Wählergruppen auf sich zu vereinen. Liegen die Sozialdemokraten bei den mehr als 70-Jährigen noch bei 34 Prozent, sinkt ihr Stimmenanteil bei den Menschen unter 45 auf rund 20 Prozent.
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