Kubas Militär bereitet sich laut einem hochrangigen Beamten auf einen eventuellen US-Einsatz auf der sozialistisch regierten Insel vor. Es wäre naiv, eine militärische Aggression der Vereinigten Staaten auszuschließen, sagte der kubanische Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossio in einem Interview des US-Senders NBC News. Man hoffe jedoch, dass es nicht dazu komme. US-Präsident Donald Trump hatte jüngst eine »Übernahme» des sozialistischen Inselstaates angedeutet.
»Wir wissen offen gestanden nicht, wovon sie sprechen, aber ich kann Ihnen Folgendes sagen: Kuba ist ein souveräner Staat. Kuba würde es nicht akzeptieren, ein Vasallenstaat oder ein von einem anderen Staat abhängiges Land zu werden«, sagte der Vizeminister. Das kubanische Militär sei stets auf eine mögliche Aggression vorbereitet – und derzeit gebe es auch konkrete Schritte im Kontext der jüngsten Spannungen.
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Nach dem zweiten landesweiten Stromausfall in Kuba binnen weniger Tage ist das Stromnetz nach Angaben der Regierung des Landes vollständig wiederhergestellt worden. »Dank der Bemühungen unserer Elektriker wurde das nationale Stromsystem wiederhergestellt«, erklärte Kubas Regierungschef Manuel Marrero Cruz am Sonntagabend (Ortszeit) im Onlinedienst X. Die Behörden warnten jedoch, dass die Nachfrage das Angebot weiterhin übersteigen werde.
Am Samstag hatte das Energieministerium eine »vollständige Abschaltung« des nationalen Stromsystems gemeldet. Auslöser des Stromausfalls war nach Behördenangaben der Ausfall eines Kraftwerkblocks in einem der acht Wärmekraftwerke des Landes. Der Ausfall führte demnach zu einem Dominoeffekt.
Kubas veraltetes Stromerzeugungssystem ist in einem schlechten Zustand. Der Inselstaat hat zudem mit Lebensmittel- und Medikamentenknappheit zu kämpfen. Verschärft wird die Wirtschaftskrise durch das Ausbleiben der Öllieferungen aus Venezuela.
US-Präsident Donald Trump hatte Venezuelas linksgerichteten Staatschef Nicolás Maduro bei einer US-Militärintervention Anfang Januar gefangen nehmen und in die USA bringen lassen, wo er wegen Vorwürfen des Drogenhandels inhaftiert wurde. Seither bleiben die Öllieferungen des bisher mit Kuba verbündeten Venezuela aus. Trump drohte überdies anderen Staaten mit Repressalien, sollten diese Öl an Kuba liefern. Am vergangenen Montag drohte Trump zudem erneut mit einer Übernahme des kommunistisch regierten Kuba.
Russland will dem krisengebeutelten Kuba derweil nach eigenen Angaben unter die Arme greifen. Moskau diskutiere mit den »kubanischen Freunden« über »mögliche Optionen, Hilfe zu leisten«, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow am Freitag. Nähere Angaben machte Peskow nicht.
Nach Angaben der auf die Ortung von Schiffsverkehr spezialisierten Website »Windward« befindet sich ein Tanker mit russischem Diesel derzeit auf dem Weg nach Kuba. Das unter der Flagge Hongkongs fahrende Schiff »Sea Horse« habe mutmaßlich rund 190.000 Barrel Diesel an Bord. Bei ungehinderter Fortsetzung seiner Fahrt werde der Tanker »in einigen Tagen« in Kuba eintreffen.
Nach Angaben des Analyseunternehmens Kpler befindet sich noch ein zweiter Tanker auf dem Weg nach Kuba: Der russische Frachter »Anatoli Kolodkin« habe 730.000 Barrel Rohöl an Bord, hatte die Firma am vergangenen Mittwoch mitgeteilt. Seit dem 9. Januar war kein Treibstoff mehr nach Kuba importiert worden.
Die USA hatten in der vergangenen Woche wegen des durch den Irankrieg ausgelösten Anstiegs der Ölpreise ihre Handelssanktionen gegen Russland gelockert. Für russische Öllieferungen an Kuba wie auch an Nordkorea gelten die Beschränkungen jedoch weiterhin in vollem Umfang, wie das Finanzministerium in Washington klarstellte.
