Sex auf dem Mond oder Mars dürfte seltener zu einer Schwangerschaft führen als auf der Erde. Eine geringe Schwerkraft erschwere es Sperma, eine Eizelle zu befruchten, berichten Forschende im Fachblatt »Communications Biology«. Schwerkraft sei »ein wichtiger Faktor dafür, wie gut Spermien durch einen Kanal wie den Fortpflanzungstrakt navigieren können«, sagt die Studienautorin Nicole McPherson von der University of Adelaide in einer Mitteilung.
Für die kommenden Jahrzehnte planen verschiedene Akteure bewohnte Stationen auf Mond und Mars. Erst diese Woche kündigte die US-Weltraumagentur Nasa eine bewohnte Mondbasis an. Der Techmilliardär Elon Musk verfolgt seit Längerem den Bau einer Kolonie auf dem Mars, auch wenn er kürzlich mitteilte, dass die Umsetzung länger dauere als geplant. Um die Siedlungen dauerhaft aufrechtzuerhalten, sei es wichtig zu verstehen, wie gut sich Menschen dort fortpflanzen könnten, schreiben die Forschenden.
Simulation auf der Erde
Zwar spüren Menschen auf Mond und Mars anders als auf der Internationalen Raumstation eine Schwerkraft, diese ist allerdings geringer als auf der Erde. Auf dem Mars beträgt sie etwa ein Drittel, auf dem Mond etwa ein Sechstel. Bekannt ist, dass diese sogenannte Mikrogravitation etwa den Spiegel von Sexualhormonen verändert. Unklar war bislang, wie sie sich auf die Fruchtbarkeit und die Entwicklung von Embryonen auswirkt.
Ein Team um McPherson simulierte den Zustand geringer Schwerkraft mit einem rotierenden Spezialgerät, Klinostat genannt. Spermien von Menschen, Mäusen und Schweinen sollten sich in dem Gerät durch einen engen Kanal bewegen, der den Gebärmutterhals nachbilden sollte. Das gelang den Spermien in dem Klinostat deutlich schlechter als in einem Vergleichsexperiment unter Erdschwerkraft.
Nachwuchs nicht ausgeschlossen
Bei Eizellen von Mäusen und Schweinen sei die Rate der Befruchtung zudem geringer gewesen. Nach vier Stunden in geringer Schwerkraft seien 30 Prozent weniger Mauseizellen erfolgreich befruchtet worden als in demselben Experiment unter normaler Erdschwerkraft, schreiben die Forschenden. Außerdem hätten weniger Schweineembryonen das spätere Stadium als Blastozyste erreicht als im Vergleichsexperiment.
Die simulierte Schwerkraft betrug der Forschungsgruppe zufolge nur ein Zehntel der Erdgravitation, war damit also geringer als auf Mond und Mars. Direkt übertragen auf die beiden Himmelskörper lassen sich die Experimente daher nicht. Unklar sei beispielsweise, ob die Befruchtungsrate kontinuierlich mit sinkender Gravitationskraft abnehme, heißt es in der Mitteilung.
Ausgeschlossen sei eine Schwangerschaft im Weltall nicht, schreibt die Forschungsgruppe. Auch unter geringer Schwerkraft hätten sich gesunde Embryonen gebildet. »Das gibt uns Hoffnung, dass eine Fortpflanzung im Weltraum eines Tages möglich ist«, sagt McPherson.
