Das Deutsche Reich ging in seinen Kolonien einst brutal gegen unzählige Einheimische vor. Viele solcher Fälle beschäftigen Deutsche und die Nachfahren der Opfer bis heute, so wie etwa in Freiburg. In der damaligen deutschen Kolonie Kamerun wurden vor mehr als hundert Jahren sechs Menschen getötet, ihre Gebeine wurden für rassistische Forschung nach Deutschland gebracht. Nun hat die Universität Freiburg die sterblichen Überreste der Personen an deren indigene Gemeinschaft in Kamerun zurückgegeben.
Rektorin Kerstin Krieglstein verneigte sich in einer Zeremonie vor den in der Universitätskirche aufgebahrten Holzsärgen. Zur Ehre der Verstorbenen wurde an den blumengeschmückten Särgen jeweils eine Kerze entzündet. »Die damalige Wissenschaft hat Menschen ihrer Würde beraubt und sie zu Forschungsobjekten gemacht. Für dieses schwere Unrecht übernehme ich als Rektorin die Verantwortung«, sagte Krieglstein.
Vertreter der Indigenengemeinschaft der Maka und des Staates Kamerun sprachen von einem wichtigen Schritt der Versöhnung. Die sterblichen Überreste sollen bald zu einer Bestattung in ihre Heimat zurückkehren. Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) sagte: »Die Ahnen heutiger Familien und Communities gehören zurück in ihre Heimat.« Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest, weil Kamerun die Universität zuletzt überraschend darüber informiert hatte, dass in Kamerun noch letzte offene Fragen geklärt werden müssten. In der Kultur der Maka gelten die sechs nach Deutschland verschleppten Personen als Ahnen und wichtige historische Vorbilder im Widerstand gegen die Besatzer.
Männer tragen die Särge mit den sterblichen Überresten der getöteten Personen
Foto: Volker Hasenauer / KNAIdentität der Toten gibt weiter Rätsel auf
Die Freiburger Historikerin und Uni-Prorektorin Sylvia Paletschek sagte bei der Zeremonie, dass trotz intensiver Forschung die Namen und die Geschichte der sechs nach Freiburg verschleppten Kameruner nicht geklärt werden konnten. »Auch die genauen Umstände ihres Todes sind unklar. Der Zusammenhang mit den deutschen Kolonialverbrechen ist aber eindeutig.«
Das Deutsche Reich beanspruchte Kamerun ab 1884 als kolonialen Besitz – mit einer Fläche, die etwa so groß wie das Deutsche Reich war. Nach Deutsch-Südwestafrika war es die zweite deutsche Kolonie. Durch das brutale Vorgehen der Besatzer starben unzählige Menschen. Widerstand, auch durch das Volk der Maka, wurde niedergeschlagen. Nach der militärischen Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg übernahmen dann England und Frankreich die Kolonie Kamerun.
Die Uni Freiburg arbeitet seit mehreren Jahren an der Aufarbeitung ihrer großen anthropologischen Sammlung. Dort liegen heute Knochen und Schädel von etwa 1500 Menschen. 300 stammen aus der Kolonialzeit. Ähnliche Sammlungen gibt es auch an anderen deutschen Universitäten. Die Uni Freiburg hat bereits menschliche Knochen an Gemeinschaften in Namibia, Australien, auf Hawaii und auf den Marshallinseln zurückgegeben. Weitere Projekte laufen.
Wenige Kunstwerke stehen so für die Aufarbeitung von Kolonialgeschichte wie die Benin-Bronzen. Sie bestehen aber weder hauptsächlich aus Bronze noch stammen sie aus dem heutigen Staat Benin. Wie war das noch mal mit den Benin-Bronzen? Die visuelle Erklärung sehen Sie hier.
