SpOn 12.07.2026
09:21 Uhr

Katowice in Polen blüht auf, Gründungen in Deutschland und Rechte für Reisende


Polen hat ein neues Herz. Deutschland steht im Finale. Und in Mannheim entsteht gerade ein Wärmewunder. Die guten Nachrichten der Woche.

Katowice in Polen blüht auf, Gründungen in Deutschland und Rechte für Reisende

Diese Wochen machen wir zum Auftakt des Newsletters einen Ausflug nach Polen. Jan Puhl aus dem SPIEGEL-Auslandsressort, nimmt uns mit nach Katowice, eine Stadt im Süden Polens, die in der Vergangenheit eher für rauchende Schlote, schlechte Luft und rußige Backsteinfassaden stand.

Jetzt steht Katowice für Wandel, Hoffnung und ein neues Polen. Nur noch eine Zeche ist in Betrieb, dort sind rund 3200 Menschen angestellt, bei einer Gesamtbevölkerung von knapp 280.000. Doch die Wirtschaft blüht auch jenseits des Bergbaus. Das Katowice des Jahres 2026 kennt praktisch keine Arbeitslosigkeit, schreibt Jan. Auf seinem Weg durch die Stadt sieht er viel Grün, Radwege und eine neue Mittelschicht, die ihr Leben zwischen renovierten brutalistischen Plattenbauten und hippen Cafés genießt.

Kasia Piechowicz' Eltern waren noch richtige Bergleute. Unserem Reporter erzählt die Fotografin, warum sie die Stadt liebt und hier lebt, obwohl sie überall arbeiten könnte. »Katowice ist derzeit einer der interessantesten Orte in Polen, nicht so eitel wie Warschau, nicht so angestrengt wie Krakau.«

In Umfragen wird Katowice zu den lebenswertesten Städten des Landes gezählt, auch weil die Verantwortlichen in Kultur investierten. Auf öffentliches Grün setzten, um die Luftqualität zu verbessern und die Infrastruktur, auch mit EU-Hilfen, aufbauten.

Neue Skyline von Katowice

Neue Skyline von Katowice

Foto: Mikolaj Nowacki / DER SPIEGEL

Katowice soll weiter wachsen. Genauso wie Polens Wirtschaft. Seit 1992 legt die Wirtschaft praktisch jedes Jahr zu, die Gesamtwirtschaftsleistung hat sich in dem Zeitraum verdreifacht, schreibt Jan: »Was in Katowice geschieht, passiert in ganz Polen. Das Land hat die Trümmer des Sozialismus weggeschaufelt und steht plötzlich modern und herausgeputzt da.«

Ich empfehle Ihnen seine Reportage sehr, Sie finden sie hier .

Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Deutscher Gründergeist
In Deutschland wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres 3053 neue Firmen gegründet – eine Rekordzahl neuer Start-ups. Das liegt auch an der boomenden KI. »Deutschland erlebt eine neue Gründerzeit«, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Mehr lesen Sie hier.

Was Hummeln schmeckt
Forscher haben speisende Hummeln ganz genau beobachtet. Und wissen jetzt nicht nur, was Ihnen schmeckt, sondern auch, wie sie das zeigen: Finden Hummeln etwas lecker, strecken sie ihre Zunge (Glossa) heraus, fast so, als würden sie sich die Lippen lecken. Es ist nicht das Einzige, was die Forschenden herausgefunden haben. Meine Lieblingsmeldung der Woche lesen Sie hier.

Schmeckt es nicht, schütteln Hummeln ihren Kopf

Schmeckt es nicht, schütteln Hummeln ihren Kopf

Foto:

Soeren Stache / dpa

Immerhin ein Finale
Bei der WM war für die volljährigen DFB-Spieler dieses Mal im Achtelfinale Schluss, für die U19-Nationalelf lief es bei der parallel laufenden Europameisterschaft um einiges besser. Sie besiegten im Halbfinale die Ukraine und haben es ins Finale geschafft. Immerhin!

Francis Onyeka traf in der Nachspielzeit des Halbfinales zum Sieg

Francis Onyeka traf in der Nachspielzeit des Halbfinales zum Sieg

Foto: DeFodi.de / DeFodi Images / IMAGO

Für Johanna
Johanna Orth starb 2021 in den Fluten der Ahr. Ihre Eltern führen heute die Patisserie, von der ihre Tochter geträumt hatte. Mein Kollege Alexander Schmidt und meine Kollegin Luana Partimo haben sie besucht. Herausgekommen ist eine eindrückliche Reportage über ein Leben mit dem Verlust und dem Weitermachen.

Mehr zum Thema

Für immer Urlaub
In der Toskana haben über 90 Menschen zusammen ein Dorf gekauft. Jetzt leben sie dort und proben den Alltag in der Gemeinschaft. Meine Kollegin Katrin Kuntz hat eine der Initiatorinnen interviewt und die sagt: »Wir haben einen Möglichkeitsrahmen, den es in Berlin oder München längst nicht mehr gibt«. Das ganze Interview lesen Sie hier .

Was gut ist – für Sie:

In Schweden sagt man »Hej!«
Deutschland soll eine Aktienrente nach schwedischem Vorbild bekommen. Was die »Schwedenrente« für Ihren Geldbeutel bedeutet, können Sie in dem Rentenrechner herausfinden, den meine Kollegen für Sie entwickelt haben .

Radeln wie ein Profi
Jana Keseheimer gewinnt Ultra-Rennen und hat Europa mehrfach auf zwei Rädern durchquert. Meiner Kollegin Priska Wörl hat sie verraten, worauf es bei langen Touren per Fahrrad ankommt – und warum man keine Wechselsocken braucht .

Kesenheimer auf dem Fahrrad

Kesenheimer auf dem Fahrrad

Foto:

Tomás Montes / Lost Dot

Reisen mit Recht
Das Europaparlament hat eine Reform verabschiedet, die die Fluggastrechte in der EU neu regelt. Sie fällt für Reisende besser aus als befürchtet. Was Sie jetzt wissen müssen, finden Sie hier.

Zwischen Himmel und Erde
Wissen Sie, was Exposition ist? Das ist die bewusste Konfrontation mit einem Reiz oder einer Situation, die Angst auslöst. Und genau so hat meine Kollegin Sandra Schulz versucht, ihre Höhenangst zu überwinden. Mit dabei: Tina In-Albon, Psychologin und Expertin für Angsterkrankungen, die an der Universität Mannheim lehrt. Wenn Sie wissen wollen, worauf man bei einer Exposition achten muss, empfehle ich Ihnen Schulzes Erfahrungsbericht .

Sandra auf dem Weg zur Konfrontationstherapie

Sandra auf dem Weg zur Konfrontationstherapie

Foto: Christina Stohn / DER SPIEGEL

Mehr als ein Gefühl
In dieser Reportage meiner Kollegin Heike Klovert habe ich gleich zu Beginn ein Wort gelesen, das ich bisher nicht kannte und an das ich seitdem immer wieder denken muss: Lachweinen. Es beschreibt so toll diesen Zustand, wenn man gleichzeitig zwei Gefühle empfindet, die nicht zueinanderpassen. Warum wir das überhaupt können und was das bedeutet, hat Heike hier aufgeschrieben .

Durchblick vor dem Durchblick
Das Geschäft boomt: Eine Laseroperation am Auge gibt es hierzulande schon ab etwa 800 Euro. Worauf Sie bei Billigangeboten achten sollten, wie hoch das Risiko für Komplikationen ist – und für wen Augenlasern überhaupt infrage kommt. Ein Überblick meiner Kollegin Veronika Silberg .

Und sonst?

Möchte ich mit Ihnen über Flusswärmepumpen sprechen. Wirklich! In Mannheim, direkt am Rhein, entsteht die derzeit größte Flusswärmepumpe der Welt.

Sie gilt als ein wichtiger Baustein, um Deutschland von Gas, Öl und Kohle unabhängig zu machen, schreibt meine Kollegin Susanne Götze.

Keine Stadt ist in Sachen Flusswärmepumpen so weit wie Mannheim. Bereits vor drei Jahren hat Ingenieur Felix Hack hier eine erste Pilotanlage ans Netz gebracht. Sie beliefert rund 3500 Mannheimer Haushalte verlässlich mit Wärme.

Felix Hack, Projektleiter beim Mannheimer Energieversorger MVV: »In meinem Kopf ist sie schon fertig.«

Felix Hack, Projektleiter beim Mannheimer Energieversorger MVV: »In meinem Kopf ist sie schon fertig.«

Foto:

Alex Kraus / DER SPIEGEL

Die neue, größere Anlage soll weitere Zehntausende Haushalte auf einen Schlag grün machen, die noch durch die Abwärme der Kohleverbrennung versorgt werden – die klimaschädlichste Form der Energieerzeugung.

Jahrzehntelang heizte Deutschland vor allem mit billigem Gas aus Russland. Um davon loszukommen, könnten Flusswärmepumpen eine Lösung sein. Hierbei wird Flusswasser genutzt, um ein Kältemittel erst in Gasform zu bekommen und es dann wieder zusammenzupressen. Beim letzten Schritt entsteht Wärme, die man in das Fernwärmenetz einspeisen kann.

Susanne hält das Potenzial von Flusswärmepumpen für gewaltig. Sie schreibt: Deutschland verfügt über mehr als 500.000 Kilometer Fließgewässer. Laut einer Studie der TU Braunschweig aus 2024 ließen sich daraus jährlich bis zu 900 Terawattstunden Wärme gewinnen. Damit könnten bis zu 270 Millionen Haushalte versorgt werden, also deutlich mehr Haushalte, als es in der EU gibt.

Ihre Reportage macht Hoffnung.

Hier können Sie sie nachlesen .

Übers Heizen müssen Sie sich angesichts der Temperaturen ja erst mal keine Gedanken machen. Genießen Sie den Sommer. Ich hoffe, Sie haben ein schönes Wochenende und essen ganz viel Eis.

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Ihre Nadine Wolter, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL