Wer in den Sommermonaten mit dem Auto in Italien unterwegs ist, dürfte sich ab Juni etwas weniger ärgern, wenn er im Stau steht. Nach einer neuen Regelung, die ab Montag gilt, bekommen Reisende die Abgabe für gebührenpflichtige Autobahnen zumindest teilweise zurück, wenn sie dort wegen einer Baustelle deutlich länger brauchen.
Die Entschädigung kann unter anderem über eine App beantragt werden, in der alle Betreiber von privaten Autobahnen zusammengeschlossen sind. Autofahrer sollen bereits Geld zurückbekommen, wenn die Fahrt auf einer Strecke von weniger als 100 Kilometern zehn Minuten länger dauert als üblich. Bei längeren Strecken muss die Verspätung größer sein. Die Autobahngesellschaft Autostrade per l'Italia rechnete beispielsweise vor, dass es 75 Prozent zurückgibt, wenn man auf einer 90 Kilometer langen Strecke 40 Minuten länger benötigt als üblich. Bei einer Stunde wird dann in diesem Beispiel alles erstattet.
Ausnahmen bei Unfällen und Unwetter
Die Regelung gilt auch für Autofahrer aus dem Ausland, es kommt aber auf ein paar Details an: Gezahlt werden muss erst, wenn der Erstattungsbetrag mehr als einen Euro beträgt. Kein Geld gibt es zurück, wenn es sich um sogenannte Notfall-Baustellen handelt, bei Unfällen oder bei wetterbedingten Störungen. Und laut ADAC ist für eine Registrierung der App eine italienische Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer erforderlich, die man als deutscher Staatsbürger unter anderem bei der Deutschen Botschaft in Rom beantragen kann.
Außerdem gilt laut ADAC die Regelung zuerst einmal für Strecken, die vollständig von demselben Anbieter betrieben werden. Ab dem 1. Dezember gibt es die Entschädigung auch dann, wenn die Autobahn in der Hand mehrerer Betreiber ist.
Die Neuregelung wurde von der Rechts-Regierung in Rom vorangetrieben. Verkehrsminister Matteo Salvini bezeichnet den Beschluss als »Wendepunkt« für die Umsetzung von Rechten von Autofahrern. Hingegen zweifelt Italiens Verbraucherschutzverband, dass alles funktioniert. »Es ist offensichtlich, dass es jahrelang keine echten Strafen für die geben wird, die den Nutzern einen schlechten Service bieten«, heißt es von dort. Zudem warnen Verbraucherschützer davor, dass die Betreiber ihre Kosten für die Rückerstattungen durch eine Erhöhung der Gebühren ausgleichen.
Andere Länder setzen auf Vignetten
Insgesamt gibt es in Italien etwa 7000 Kilometer Autobahnen. Im Unterschied zu Deutschland, wo die Benutzung gratis ist, muss für den allergrößten Teil Maut gezahlt werden. Europaweit sind die Gebühren in Italien und Frankreich am höchsten: Pro gefahrenem Kilometer werden nach Angaben von Verbraucherschutzverbänden im Durchschnitt zwischen sieben und neun Cent fällig. Andere Länder wie Österreich oder die Schweiz setzen auf Vignetten, also Zeitkarten für einen bestimmten Zeitraum bis zu einem gesamten Jahr.
