Der frühere Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, Ronen Bar, hat eine Klage wegen Verleumdung gegen Premierminister Benjamin Netanyahu eingereicht. Das berichten übereinstimmend die »Times of Israel« und »Haaretz«. Die Klage richtet sich gegen Netanyahus Aussage, Bar habe in den Stunden vor dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 von der Gefahr gewusst, und ihn bewusst nicht darüber informiert, schreibt die »Times of Israel«. Damals fielen unter anderem Terroristen der Hamas aus dem Gazastreifen in Israel ein, verschleppten mehr als 250 und töteten 1200 Menschen. Nun behauptet Bar laut »Haaretz«, er habe in den Stunden vor der Attacke das Büro des Premierministers informiert. Zudem gibt er an, mindestens 20-mal vor der Sicherheitslage in Gaza gewarnt zu haben.
Für Netanyahu kommt die Debatte über mögliche Warnungen vor einem Hamas-Angriff zu einem heiklen Zeitpunkt: Am 27. Oktober wird in Israel erstmals seit dem 7. Oktober 2023 ein neues Parlament gewählt.
Bereits Anfang September hatte es Berichte gegeben, dass Netanyahu im Vorfeld des Angriffs gewarnt worden sei. »Haaretz« berichtete , dass Netanyahu anderthalb Wochen vor dem Hamas-Angriff mit Mohamed bin Zayed, Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), telefoniert habe. Dieser habe Netanyahu gewarnt, dass Hamas-Chef Yahya Sinwar eine Operation gegen Israel plane. Laut dem »Haaretz«-Bericht gab der israelische Premierminister die Information nicht an Entscheidungsträger im Sicherheitsapparat weiter.
Eine Recherche der »New York Times« stützte die Darstellung . Demnach berief Netanyahu zwar die Sicherheitschefs am 1. Oktober zu einer Sitzung zur Lage im Gazastreifen ein, die Warnung soll er jedoch nicht erwähnt haben.
Nun sagt der Ex-Geheimdienstchef Bar den Berichten zufolge, er habe Netanyahu unter anderem am 21. August vor einer »dramatischen Eskalation« gewarnt. Am 1. Oktober habe er Präventivschläge gegen Hamas-Führer gefordert, da die Gefahr für einen Anschlag so hoch gewesen sei. Insgesamt listet Bar laut den Berichten mindestens 20 Warnungen.
Am Morgen des 7. Oktobers habe Bar dann um 3.55 Uhr das Büro von Premier Netanyahu aus Sorge vor einem Angriff informiert. Auch weil er die persönliche Telefonnummer des Premiers nicht habe. Diesen Vorwurf weist Premier Netanyahu in seiner Reaktion auf die Klage auf X zurück. Bar habe die Nummer gehabt, viele Leben hätten gerettet werden können, hätte er rechtzeitig angerufen, zitiert die »Times of Israel« den Premier.
Netanyahu und Bar liefern sich seit Langem einen Machtkampf infolge des Terrorangriffs vor drei Jahren. Im März 2025 hatte Netanyahu versucht, Bar zu entlassen. Das Oberste Gericht stoppte die Entlassung. Im April kündigte Bar dann seinen Rücktritt an.
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