EZB-Direktorin Isabel Schnabel wird zum 3. Januar 2027 vorzeitig aus dem Direktorium ausscheiden und zum Internationalen Währungsfonds (IWF) wechseln. Wie die EZB mitteilte, wird Schnabel am 4. Januar die Leitung der Abteilung Geld- und Kapitalmärkte beim IWF übernehmen. Bis dahin werde sie ihre derzeitige Position behalten und ihre Aufgaben weiterhin wahrnehmen, heißt es.
Ein Nachfolger soll vom Europäischen Rat ernannt werden. Falls erforderlich, würden Schnabels Aufgaben im Direktorium nach ihrem Ausscheiden vorübergehend auf die verbleibenden Mitglieder aufgeteilt.
Schnabel ist neben EZB-Präsidentin Christine Lagarde die einzige Frau im Direktorium der EZB. Dort ist sie für das Ressort Marktoperationen zuständig. Schnabels achtjährige Amtszeit bei der EZB hätte eigentlich Ende 2027 geendet.
Gerüchte um Neubesetzung im Paket
Bereits vor mehreren Wochen hatte das »Handelsblatt« über Wechselabsichten der deutschen Ökonomin berichtet. Die seit Längerem wabernden Wechselgerüchte hatten Spekulationen befeuert, wonach es bei der Neubesetzung von Spitzenposten bei der EZB zu einer Paketlösung kommen könnte. So könnten die Regierungsspitzen der Euroländer gleich drei frei werdende Posten im EZB-Direktorium neu besetzen. Durch Schnabels knappen Zeitplan gerät die Politik nun unter Druck, rasch eine Lösung zu finden.
Im Juni 2027 endet die Amtszeit von Chefvolkswirt Philip Lane und im Oktober 2027 die von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Seit Monaten gibt es Gerüchte, Lagarde könnte ihren Posten noch vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April 2027 räumen, um die Nachfolgesuche zu erleichtern.
Obwohl theoretisch jedes Land Anspruch auf Schnabels Posten erheben kann, verfügen Deutschland, Frankreich und Italien de facto über einen ständigen Sitz im Direktorium. Würde Deutschland Schnabel jedoch einfach durch einen anderen Kandidaten ersetzen, käme dies dem Verzicht auf eine Kandidatur für den EZB-Vorsitz gleich, sobald Lagardes Posten frei wird.
