Irans Militär hat die wochenlangen gemeinsamen Angriffe der USA und Israels offenbar besser überstanden, als von der US-Führung wiederholt behauptet. Darauf deuten zumindest vertrauliche US-Geheimdienstdokumente hin, über die nun die »New York Times « berichtet.
Demnach gehen die Nachrichtendienste davon aus, dass Iran den operativen Zugang zu 30 von insgesamt 33 Raketenstellungen an der Straße von Hormus wiedererlangt hat. Für den zivilen Schiffsverkehr sowie für die US-Marine ginge durch die iranischen Stellungen damit weiterhin eine massive Bedrohung an der strategisch wichtigen Meerenge aus.
Wie die Zeitung unter Berufung auf Insider mit Kenntnis der Geheimdienstbewertungen berichtet, haben die US-israelischen Luftangriffe die Stellungen demnach nicht dauerhaft ausgeschaltet. Abhängig vom Ausmaß der Schäden an den zahlreichen Stellungen sei es Iran demnach etwa weiter möglich, die in Bunkern geschützten Raketen und Marschflugkörper zu anderen Standorten zu transportieren. In einigen Fällen sollen auch Abschussstellungen neben den geschützten Depots weiter intakt sein. Nur drei der 33 Stellungen seien demnach völlig zerstört oder unzugänglich.
Irans Raketenstellungen wohl mitnichten ausgeschaltet
Auch mit Blick auf das gesamte Land sind die Einschränkungen für die iranischen Raketenstellungen offenbar nicht besonders massiv. Weitere Geheimdiensterkenntnisse und Satellitenaufnahmen deuten demnach darauf hin, dass Iran trotz der US-israelischen Angriffe Zugang zu 90 Prozent seiner unterirdisch eingelagerten Bestände an ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und deren Startvorrichtungen wiedererlangt habe.
Iranisches Kriegsgerät bei einer Ausstellung in Teheran im November 2025
Foto: Atta Kenare / AFPDie Stellungen würden demnach als »teilweise oder voll einsatzbereit« eingestuft, heißt es. Auch seien 70 Prozent der mobilen Startgeräte in Iran einsatzbereit und die Raketen- und Marschflugkörpervorräte noch bei etwa 70 Prozent des Vorkriegsniveaus. Unabhängig überprüfen lassen sich die sensiblen Angaben nicht.
Für die US-Regierung um Präsident Donald Trump ist der Bericht heikel. Die internen Befunde widersprechen der Erfolgsgeschichte, welche die Führung um Trump seit Wochen von der eigenen Militärkampagne zu erzählen versucht. So hatte Trump etwa bereits im März, nur wenige Tage nach Beginn des Krieges, getönt, von Iran sei »im militärischen Sinne nichts mehr übrig«. Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte bei einer Pressekonferenz am 8. April, dass die US-israelische Operation »Epic Fury« »Irans Militär dezimiert und es auf Jahre hinaus kampfunfähig gemacht« habe.
Doch das ist offenbar nicht der Fall. Die der »NYT« nun vorliegenden Geheimdienstinformationen sollen auf einen Zeitpunkt datiert sein, der weniger als einen Monat nach Hegseths Pressekonferenz liegt.
Weißes Haus reagiert gereizt
Mit den unbequemen Informationen konfrontiert, reagierte das Weiße Haus ungehalten. Die Sprecherin Olivia Wales bekräftigte demnach Trumps Darstellung, Irans Militär sei »zerschlagen«. Auch die iranische Regierung wisse, dass ihre »derzeitige Realität nicht tragfähig« sei. Jeder, der glaube, Iran habe sein Militär wiederaufgebaut, sei »entweder wahnhaft oder ein Sprachrohr« für Irans Revolutionswächter, so Wales weiter.
Donald Trump nahm in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social ebenfalls auf den Bericht Bezug. »Wenn die ›Fake News‹ behaupten, dass der iranische Feind militärisch gut gegen uns dasteht, ist das praktisch VERRAT – so falsch und geradezu absurd ist diese Aussage«, schrieb Trump. »Alles, was das bewirkt, ist, Iran falsche Hoffnungen zu machen – dort, wo eigentlich gar keine bestehen sollten.«
Auch das US-Verteidigungsministerium weist den Bericht zurück und greift die bei Trump verhasste Zeitung direkt an. »Es ist zutiefst beschämend, dass die ›New York Times‹ und andere als PR-Agenten für das iranische Regime agieren, um die Operation ›Epic Fury‹ als etwas anderes darzustellen als eine historische Errungenschaft«, sagte ein Sprecher.
USA verpulverten offenbar große Teile ihrer Munitionsbestände
Trump und das Pentagon stehen bereits seit Wochen durch Berichte unter Druck, wonach der Irankrieg die kritischen US-Munitionsvorräte stark belastet hat. Wie die »NYT« bereits zuvor berichtete, sollen die USA rund 1100 Tarnkappen-Marschflugkörper sowie mehr als 1000 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk eingesetzt haben. Das seien etwa zehnmal so viele Tomahawks, wie das Pentagon normalerweise in einem Jahr bestellt. Zudem sollen die USA in dem Krieg binnen weniger Wochen mehr als 1300 Patriot-Lenkflugkörper eingesetzt haben, laut der Zeitung etwa die zweifache Menge der Jahresproduktion im Jahr 2025.
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Die Vorräte wieder aufzufüllen, dürfte demnach Jahre dauern und könnte auch Auswirkung auf Europa haben. Ausländische Bestellungen von US-Systemen könnten angesichts des enormen Eigenbedarfs der US-Streitkräfte hintangestellt werden.
Neue Satellitenbilder bestätigen zudem, dass die amerikanischen Streitkräfte selbst schwere Verluste im Krieg mit Iran hinnehmen mussten. Washington hatte den Krieg offenbar nicht ausreichend vorbereitet. Hier sehen Sie Luftaufnahmen der Zerstörungen.
