SpOn 27.03.2026
17:11 Uhr

Iran vor der WM 2026: Iran Sie spielen wieder Fußball – und protestieren mit Schulranzen


WM-Teilnehmer Iran hat ein Testspiel gegen Nigeria verloren. Die Spieler erinnerten vor dem Anpfiff an eine besondere Kriegstragödie.

Iran vor der WM 2026: Iran Sie spielen wieder Fußball – und protestieren mit Schulranzen

Die iranische Fußballnationalmannschaft hat das erste Länderspiel seit Beginn des Kriegs in ihrem Heimatland verloren. Der WM-Teilnehmer unterlag 1:2 (0:1) gegen Nigeria. Das Spiel, das eigentlich in Jordanien hätte stattfinden sollen, wurde kurzfristig ins türkische Antalya verlegt und fand ohne Zuschauer statt. Der iranische Verband hatte politische Proteste von in der Türkei lebenden Iranern im Stadion befürchtet.

So ganz ohne Protest kam das Spiel dann aber doch nicht aus, allerdings vonseiten der iranischen Profis. Sie betraten das Spielfeld mit Schulranzen in der Hand. Damit spielten sie auf einen Bombenangriff auf eine Mädchenschule in Minab im Süden Irans an, bei dem Ende Februar mindestens 168 Schülerinnen zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie 4 Eltern starben. Medienberichten zufolge sollen US-Streitkräfte für den Angriff verantwortlich sein.

Irans Torschütze Taremi (r.): Keine Zuschauer in Antalya

Irans Torschütze Taremi (r.): Keine Zuschauer in Antalya

Foto:

Riza Ozel / AP

»Derzeit ist das Ergebnis, ob Sieg oder Niederlage, nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass die Spieler auf dem Feld zeigen, dass sie echte Iraner sind und ihr Vaterland lieben«, sagte Mirschad Madschedi vom iranischen Verband im Staatssender IRIB nach der Partie.

Ex-Leverkusener Azmoun nach Kritik nicht dabei

Nigeria ging durch Moses Simon früh in Führung (6. Minute), Akor Adams erhöhte nach der Pause (51.). Mehdi Taremi von Olympiakos Piräus gelang der Anschlusstreffer (67.). Er war einer von fünf Legionären in der Startelf, die anderen sechs Profis sind noch in der iranischen Liga aktiv.

Der frühere Leverkusener Profi Sardar Azmoun und Mehdi Ghaedi waren wegen Kritik aussortiert worden und standen nicht im Kader. In iranischen Medien wird zudem davon berichtet, Azmouns Eigentum sei beschlagnahmt worden, weil er sich mit führenden Politikern der Vereinigten Arabischen Emirate gezeigt haben soll.

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Das Spiel gegen Nigeria und die Partie am Dienstag gegen Costa Rica sind eigentlich als WM-Tests eingeplant. Ob Iran tatsächlich an der Weltmeisterschaft im Sommer teilnimmt, ist wegen des Krieges noch unklar.

Die drei WM-Vorrundenspiele gegen Neuseeland (16. Juni), Belgien (21. Juni) und Ägypten (27. Juni) sollen alle in den USA stattfinden. US-Präsident Donald Trump hatte dem iranischen Team wegen angeblicher Sorge um »Leben und Sicherheit« von einer Teilnahme abgeraten.

Lesen Sie hier eine SPIEGEL-Recherche, wie der Angriff auf die Mädchenschule in Minab abgelaufen und wie groß die Zerstörung ist.

krä/dpa