Entlastung für Verbraucher: Die Inflationsrate in Deutschland ist im Mai deutlich auf 2,6 Prozent gesunken. Das geht aus einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes hervor. Im April waren die Verbraucherpreise noch um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen und damit so stark wie seit Januar 2024 nicht.
Heiz- und Tankkosten sind hierzulande seit März sprunghaft gestiegen. Im Mai kosteten Haushaltsenergie und Sprit 6,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie die vorläufigen Berechnungen der Statistiker ergaben.
»Tankrabatt hat Zweck erfüllt«
Immerhin dämpfte der von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Tankrabatt den Preisauftrieb im Mai: Auf den Liter Diesel und Benzin fallen vom 1. Mai bis 30. Juni rund 17 Cent weniger Energiesteuer an. Im April hatten die Energiepreise in Deutschland noch um gut 10 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats gelegen.
»Entscheidend waren der Rückgang der Rohölpreise gegenüber April und der seit Anfang des Monats geltende Tankrabatt«, sagt Silke Tober, Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. »Damit hat der Tankrabatt seinen Zweck erfüllt.« Die Bundesbank hatte zuletzt geschätzt, dass der Tankrabatt die Inflationsrate im Mai und Juni je um rund einen Viertelprozentpunkt senke.
Volkswirte erwarten, dass Unternehmen höhere Energie-, Produktions- und Transportkosten schrittweise an Kunden weitergeben und die Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen weiter steigen werden. Der Anteil der Firmen, die Preiserhöhungen planen, ist nach Daten des Ifo-Instituts hoch, wenngleich er zuletzt etwas sank.
Inflationsrate könnte 2026 auf 3,0 Prozent steigen
Je länger der Krieg im Nahen Osten andauert, umso größer die Unsicherheit. Das bremst den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze für die Konjunktur ist. Die »Wirtschaftsweisen« trauen der deutschen Wirtschaft 2026 nur noch ein Miniwachstum von 0,5 Prozent zu.
Der Sachverständigenrat erwartet im Jahresschnitt eine Inflationsrate bei 3,0 Prozent. Es könnten aber auch 3,5 Prozent werden, wie das Beratungsgremium der Bundesregierung in seinem Frühjahrsgutachten vorrechnet: Denn angesichts des Kriegs am Golf könnte das Angebot von Rohöl und Flüssigerdgas längere Zeit eingeschränkt sein. Iran blockiert seit Wochen die Straße von Hormus, durch die Meerenge wird üblicherweise etwa ein Fünftel des globalen Rohöls und Flüssiggases transportiert.
