SpOn 23.03.2026
19:35 Uhr

Hamburg: Gericht verurteilt zehn Männer nach tödlichem Balkonsturz eines 15-Jährigen


Sie stürmten eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, ein Jugendlicher versucht zu fliehen und stirbt. Die Richterin spricht von »Szenen wie aus einem Horrorfilm« und verurteilt die Täter teils zu langen Freiheitsstrafen.

Hamburg: Gericht verurteilt zehn Männer nach tödlichem Balkonsturz eines 15-Jährigen

Er versuchte, über den Balkon eines Hamburger Mehrfamilienhauses zu flüchten, stürzte und starb: Elf Monate nach dem Tod eines 15-Jährigen hat das Landgericht Hamburg zehn Angeklagte schuldig gesprochen. Sieben von ihnen wurden zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Die Vorsitzende Richterin sprach von »Szenen wie aus einem Horrorfilm«.

In der Nacht zum 14. April überfielen zehn Männer und ein Mittäter die Wohnung eines Bekannten im Stadtteil Wilstorf, so hat es die Jugendkammer festgestellt. Acht Männer stürmten die Wohnung im achten Stock, drei der Angeklagten standen Schmiere vor dem Haus. Einer der Angeklagten trat die Wohnungstür ein, ein anderer zerschlug mit einer Machete die gläserne Wohnzimmertür.

Die im Haus bedrohten jungen Männer – nach damaligen Polizeiangaben drei im Alter zwischen 17 und 21 Jahren sowie der 15-Jährige – flüchteten in Todesangst auf den Balkon. Einer kletterte auf einen versetzten Balkon ein Stockwerk tiefer, wobei er sich nach Angaben der Richterin am Blitzableiter festhielt. Der 15-Jährige stieg über die Brüstung in der Mitte des Balkons und verlor den Halt. Er stürzte in den Tod.

Minuten vor dem Überfall hatten die Überfallenen mit einem Handy die Polizei alarmiert. Bei der Flucht auf den Balkon hatte der Anrufer das Handy auf ein Sofa gelegt, ohne aufzulegen. Das gut drei Minuten lange Tatgeschehen wurde von der Polizei aufgezeichnet.

Als die Angreifer flüchteten, nahm ein damals 17-Jähriger das Telefon an sich. Die Richterin bezeichnete ihn als Rädelsführer. Er bemerkte, dass die Polizei in der Leitung war. Daraufhin habe er sich unter einem falschen Namen gemeldet und gesagt, er sei betrunken und habe die Polizei versehentlich angerufen. Dann legte er auf.

Die Angeklagten und ihre Opfer kannten sich oder waren sogar befreundet. Der Tat waren gewaltsame Auseinandersetzungen an der Reeperbahn, am Jungfernstieg und vor einem Einkaufszentrum in Hamburg-Harburg vorausgegangen. In einer Textnachricht drohte einer der Angreifer: »Ich schwöre bei Gott, ich werde den Speer in sein Herz stechen.« Der 15-jährige Tote habe zwei Tage vor der Tat zusammen mit dem Rädelsführer einen jungen Mann entführt, der bei einer gemeinsamen Geldwäschetransaktion seine EC-Karte hatte sperren lassen. Zusammen hätten sie ihr Opfer einen Tag lang in der Wohnung in Wilstorf gefangen gehalten und gefoltert. »Der Tote war kein Unschuldslamm«, sagte die Richterin.

Das Gericht sprach sieben Angeklagte wegen besonders schweren Raubes und Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, drei weitere wegen Beihilfe. Der Rädelsführer, inzwischen 18 Jahre alt, erhielt eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren Haft. Mit sechs Jahren die höchste Strafe bekam ein 25-Jähriger, der wegen seines Alters nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurde. Ein weiterer 18-Jähriger, der ein umfassendes Geständnis ablegte, erhielt zwei Jahre Haft auf Bewährung.

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Zwei junge Männer erhielten Schuldsprüche wegen Beihilfe und stehen bei Strafandrohung eines Jugendarrests für anderthalb Jahre unter Bewährung. Ein zehnter Angeklagter muss wegen Beihilfe ein Antigewalttraining absolvieren. Ein mutmaßlicher Mittäter floh nach Angaben der Richterin nach Syrien. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

jml/dpa