Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU):
»Ich bin ein sehr dankbarer Mensch und ich bin sehr dankbar für das, was ich bis jetzt erreichen konnte.«
Christoph Hickmann, SPIEGEL:
»Er darf dankbar dafür sein, dass er noch im Amt ist. Denn diese Regierung liefert natürlich bislang nicht das, was sie versprochen hat.«
Lars Klingbeil, Vizekanzler (SPD):
»Wir müssen Beton rausbekommen, aus den Köpfen, aus den Debatten, und das heißt dann, das habe ich zu Beginn gesagt: Ich mache die Türen auf.«
Christoph Hickmann, SPIEGEL:
»Lars Klingbeil hat hinter verschlossenen Türen sich ja – das haben wir kürzlich berichtet – eine ziemliche Auseinandersetzung mit Friedrich Merz geliefert. Er hat eine Rede gehalten, in der er gesagt hat: Wir wollen Reformen machen. Ob das schon eine Tür geöffnet hat? Das werden wir am Ende dieses Prozesses sehen.«
Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU):
»Wir haben in diesem Jahr viel erreicht. Aber ich sage auch: Ja, wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen, und auch nicht da, wo wir sein müssen.«
Christoph Hickmann, SPIEGEL:
»Die Regierung, und auch Friedrich Merz, hat gesagt: Wir müssen jetzt das Zeitfenster nutzen zwischen Ostern und den Landtagswahlen im Osten im September, um in wirklich aufwendige, wirklich große Reformen einzusteigen: Gesundheit, Steuern, Rente, Pflege. Das ist ein wirklich fast irres Paket, was sie sich vorgenommen hat. Das ist zu begrüßen. Das ist gut. Es liegt hier einiges brach, es gibt einen Reformstau, aber es geht wieder viel zu langsam voran. Und was Sie nicht geschafft haben, ist, tatsächlich einen guten, zügigen Einstieg, einen konstruktiven Einstieg in diesen Reformprozess zu finden. Sondern sie haben sich in den ersten Wochen schon so verzettelt, dass man sich jetzt fragt: Wie wollen sie diesen Zeitplan überhaupt einhalten?«
Lars Klingbeil, Vizekanzler (SPD):
»Wir sind in einem völlig entspannten Verhältnis, da ist ein großes Vertrauen zwischen uns. Wir sind uns bewusst, welche Verantwortung wir tragen, und die werden wir auch gemeinsam weiter wahrnehmen.«
Christoph Hickmann, SPIEGEL:
»Es gab kürzlich dieses Koalitionstreffen in der Villa Borsig. Wir haben darüber im SPIEGEL breit berichtet. Es ist laut geworden, es ist heftig geworden, und viele sagen, dass seitdem sich etwas getan hat, dass etwas kaputtgegangen
ist, was sich vielleicht auch nicht mehr so einfach reparieren lässt im Verhältnis zwischen Merz und Klingbeil. Es hat danach wieder Bilder gegeben, die Vertrautheit suggerieren sollten, die Versöhnung suggerieren sollten. Ich bin mir tatsächlich nicht ganz sicher, wie vertrauensvoll diese Zusammenarbeit tatsächlich überhaupt noch ist.«
Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU):
»Ich bin bis jetzt sehr geduldig gewesen, auch im Umgang mit der SPD. Die SPD muss allerdings auch wissen: Kompromisse sind keine Einbahnstraße. Die müssen wir beide machen.«
Christoph Hickmann, SPIEGEL:
»Das Schwierige in so einer Koalition ist, wenn das überhaupt groß thematisiert werden muss. Wenn das überhaupt groß thematisiert werden muss. Das ungeschriebene Gesetz lautet ja, das erinnert sehr an die Ampelkoalition unter Olaf Scholz: Wenn es jetzt schon wieder darum geht, wer muss sich bewegen, wer bewegt sich ein Stückchen mehr? Ich glaube, viele Leute da draußen im Land interessiert es überhaupt nicht. Die interessieren sich dafür, was hat das mit mir, mit meinem Leben zu tun? Was verbessert sich möglicherweise auch in meinem Leben? Und wenn jetzt ständig wieder nur thematisiert wird, und da sind wir gerade, wer muss welchen Kompromiss eingehen, dann läuft schon was schief, dann liegt schon was im Argen.«
Lars Klingbeil, Vizekanzler (SPD):
»Aber am Ende wissen alle, welche Verantwortung diese Koalition dafür trägt, dass Deutschland stabil bleibt, dass Deutschland nicht in die Hände auch der Falschen gerät.«
Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU):
»Ich sage jedenfalls an alle diejenigen, die uns von außen beobachten und uns nahestehen: Vergesst die Hoffnung, dass es da irgendwas mit Minderheitsregierung gibt und Duldung durch die AfD. Das kommt mit mir nicht in Frage.«
Christoph Hickmann, SPIEGEL:
»Es scheint offensichtlich, auch in der Union, speziell in der Union, einige zu geben, die über so etwas wie eine Minderheitsregierung nachdenken, was natürlich auf den ersten Blick eine bequeme Variante wäre. Man muss nicht mehr diese lästigen Kompromisse eingehen, muss sich nicht auf die SPD einlassen, auf deren Positionen, sich nicht auf sie zu bewegen. In Wahrheit wäre das aber natürlich nichts anderes als der Einstieg in eine Zusammenarbeit mit der AfD. Und das kann nun wirklich niemand, der demokratisch gesinnt ist, wollen.«
- Alexander Dobrindt im Spitzengespräch: »Merz muss mit dem zurechtkommen, was er hat« Moderiert von Markus Feldenkirchen
- +++ Livestream +++: Merz präsentiert die Ergebnisse der Reformverhandlungen
- Wahldebakel im Bundestag: »Wahnsinn! Wahnsinn!« Von Konstantin von Hammerstein
- Missglückter Kanzlerstart: Wie Merz ins Amt stolperte Ein Video von Benjamin Eckert, Janita Hämäläinen und Marco Kasang

