Marina Kormbaki, SPIEGEL:
»Vor einigen Tagen war ich mit Friedrich Merz unterwegs. Wir waren in Finnland. Ich konnte den Kanzler also ein bisschen aus der Nähe beobachten. Und was mir da auffiel, war doch, wie verzagt er wirkte, wie geknickt, er wollte sich kaum mit uns Journalisten befassen.
Zugleich gibt er sich aber kämpferisch, betont, dass er die Reformen, die er mit seiner Regierung auf den Weg gebracht hat, auch wirklich umsetzen will.
Möglicherweise hat ihn jetzt in diesen Tagen ein wenig beruhigt, dass die Ministerpräsidenten endlich mal aufgehört haben, mit diesen Querschüssen, nicht mehr allzu offen intrigieren und stattdessen eine Erklärung rausgebracht haben, in der sie betonen, wie geschlossen sie sind und wie wichtig stabile Verhältnisse in Deutschland sind.
Was aber auffällt: Der Name Friedrich Merz fehlt in dieser Erklärung. Weil sie es vergessen haben? Glaube ich nicht.
Die Ministerpräsidenten wollten offenbar kein allzu deutliches, allzu hundertprozentiges Signal des Rückhalts für Friedrich Merz aussenden. Und das zeigt ihren Unmut, ihr Aufstand pausiert fürs Erste. Aber ausgeräumt ist das alles nicht.
Wie es mit Friedrich Merz weitergeht, wird sich am Sonntagabend entscheiden.
Dann wählt Berlin, dann wählt Mecklenburg-Vorpommern. Und für die CDU könnte es zu einer doppelten krachenden Niederlage kommen. Und dann muss Friedrich Merz nicht nur die Ministerpräsidenten fürchten, sondern vor allem den Unmut der Basis.
Da könnte etwas aufbrechen, da könnte eine Dynamik entstehen, die Friedrich Merz, die Abgeordneten, die Ministerpräsidenten kaum noch kontrollieren können. Und ob Friedrich Merz diesem Druck wird standhalten können? Da bin ich nicht ganz sicher.«