Die teils gewaltsamen Proteste gegen die schlechte Ausstattung von Schulen in Frankreich haben sich ausgedehnt und zu zahlreichen Festnahmen geführt. Innenminister Laurent Nuñez sprach im Sender BFMTV von 440 festgenommenen Menschen. Die meisten von ihnen seien minderjährig. Ihnen werde zumeist Sachbeschädigung oder Angriffe auf Ordnungskräfte vorgeworfen. Noch seien die Zahlen vorläufig, so Nuñez.
Das Bildungsministerium meldete 31 Verletzte unter Schülern und Angestellten. Mindestens zehn Beschäftigte des Bildungswesens seien verletzt worden, sagte Bildungsminister Édouard Geffray – darunter ein Lehrer, der im Norden des Landes geschlagen worden sei, sowie ein Schulleiter, der im Departement Hauts-de-Seine durch einen Feuerwerkskörper verletzt worden sei. Ein weiterer Schulleiter sei im Departement Essonne mit dem Tod bedroht worden. »Diese Gewalt ist unsäglich«, schrieb Geffray auf X .
Aujourd’hui, au moins 10 personnels de l’Éducation nationale et plusieurs élèves ont été blessés, notamment par des tirs de mortier.
— Édouard Geffray (@EdouardGeffray) September 29, 2026
Les premiers sont des fonctionnaires, qui servent l'intérêt général et le service public. Les seconds sont des élèves que nous avons tous les…
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Behördenangaben zufolge waren am Dienstagabend noch 338 Einrichtungen von Blockaden oder Protestaktionen betroffen. Am Mittag sei der Zugang zu 40 Gymnasien vollständig blockiert gewesen, an 44 weiteren Schulen hätten Protestierende versucht, Blockaden zu errichten. Die Gymnasialgewerkschaft USL sprach von 400 blockierten Gymnasien.
Die Proteste hatten bereits am Freitag an weiterführenden Schulen im Großraum Paris begonnen. Sie richten sich gegen fehlende Mittel, zu wenig Lehrkräfte an den Schulen und heruntergekommene Gebäude.
Am Montag waren bei Protesten an Schulen in mehreren Städten Frankreichs Dutzende Menschen verletzt und mindestens 164 Personen festgenommen worden. Während die Regierung Gewalt seitens der Protestierenden beklagte, warnten die Gewerkschaften davor, die Polizei gegen die Proteste der Jugendlichen einzusetzen.
Am Dienstag stand in Frankreich außerdem ein nationaler Streiktag im öffentlichen Dienst an; nach Gewerkschaftsangaben gingen mehr als 300.000 Menschen auf die Straße. Die im öffentlichen Dienst Beschäftigten beklagen Reallohnverluste, weil ihre Gehälter seit 2017 nur um fünf Prozent gestiegen sind – bei rund 24 Prozent Inflation.
Hintergrund sind befürchtete Einsparungen im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr, den Premier Sébastien Lecornu am Donnerstag vorlegen will. Nötig sind Milliardeneinsparungen, weil Frankreichs Staatsverschuldung auf einen Rekordwert gestiegen ist.
Wie schon im vergangenen Jahr dürfte es ein Kraftakt für das Mittelager von Präsident Emmanuel Macron werden, den Haushalt ohne eigene Mehrheit durchs Parlament zu bringen. Erneut will Lecornu auf die Sozialisten zugehen, um einen Kompromiss zu finden. Im Anlauf auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr sind radikale Einschnitte aber nicht zu erwarten.
