Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bekommt für seine Kritik am Irankrieg erwartbare Unterstützung der iranischen Führung, aber auch einige Kritik aus Deutschland zu hören. Das Staatsoberhaupt hatte den von Israel und den USA begonnenen Krieg als völkerrechtswidrig eingestuft (mehr dazu erfahren Sie hier ).
Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte am Dienstagabend bei X, Steinmeier gebühre Anerkennung dafür, »dass er die Verstöße gegen die Iraner verurteilt hat«. Wer Rechtsstaatlichkeit schätze, solle ebenfalls seine Stimme erheben.
Auch die AfD stellte sich ausnahmsweise hinter den ansonsten von ihr viel kritisierten Bundespräsidenten. »Da hat er mal recht gehabt, so oft kommt das ja beim Bundespräsidenten nicht vor«, sagte Co-Parteichef Tino Chrupalla in Berlin. »Der Angriff auf die Ukraine war völkerrechtswidrig. Der Angriff auf Iran ist es auch.«
So reagiert Spahn auf Steinmeiers Äußerung
Auf der Unionsseite der Koalition kam Steinmeiers Einlassung dagegen nicht gut an. Unionsfraktionschef Jens Spahn forderte den Bundespräsidenten zur Zurückhaltung auf. »Die völkerrechtliche Prüfung obliegt in diesem wie in anderen Fällen der Bundesregierung, und ich erwarte von Amts- und Würdenträgern der Bundesrepublik, dass sie diese Prüfung abwarten und sie auch respektieren«, sagte der CDU-Politiker in Berlin. »Im Übrigen frage ich mich, was folgt jetzt aus dieser Feststellung?«
Steinmeier hatte bei einer Veranstaltung zum 75. Jahrestag der Wiedergründung des Auswärtigen Amts den von Israel und den USA geführten Irankrieg als »politisch verhängnisvollen Fehler« und »nach meinem Dafürhalten völkerrechtswidrig« bezeichnet. Steinmeier hält die von der US-Regierung angeführte Begründung, dass angeblich ein Angriff auf die Vereinigten Staaten unmittelbar bevorgestanden habe, für nicht tragfähig (mehr dazu, wie die USA in den Krieg gegen Iran gestolpert sind, erfahren Sie hier ).
- Deutschlands Rolle im Irankrieg: Steinmeier belehrt Merz – und lobt sich indirekt selbst Eine Analyse von Christoph Schult
- Nahostexperte über Irankrieg: »Frieden ist meistens das Produkt von kühlem Pragmatismus« Ein Interview von Frederik Seeler
- Der Irankrieg und die Folgen für die USA: Auch für Trump gibt es Grenzen Eine Analyse von Julia Amalia Heyer, Washington
Auch die SPD-Fraktionsführung hat den Angriff auf Iran als völkerrechtswidrig eingestuft. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), das CDU-geführte Auswärtige Amt und die Union haben sich dagegen bisher nicht festgelegt. Merz hatte Anfang März lediglich gesagt: »Wir sehen das Dilemma, dass mit völkerrechtlichen Maßnahmen und Schritten – die wir ja in den letzten Jahrzehnten immer wieder auch versucht haben – gegen ein Regime, das atomar aufrüstet und das eigene Volk brutal unterdrückt, offensichtlich nichts zu bewirken ist.«
