Der vierfache Formel-1-Weltmeister Max Verstappen hat in Suzuka einen Journalisten einer Medienrunde verwiesen. Noch während der Journalist die erste Frage stellte, schritt Verstappen ein.
»Eine Sekunde. Ich sage nichts, bevor er gegangen ist«, sagte der niederländische Rennfahrer und meinte damit den Journalisten Giles Richards vom britischen »Guardian«. »Ich? Ernsthaft?«, antwortete dieser überrascht. »Wegen der Frage, die ich dir in Abu Dhabi gestellt habe? Wegen Spanien?«, hakte er nach. »Ja«, sagte der Red-Bull-Pilot, »geh raus.«
Richards soll daraufhin das Red-Bull-Motorhome verlassen haben, wie mehrere Medien, darunter der Sender ESPN und das Fachportal »The Race« berichteten. Im Anschluss habe Verstappen mit der Fragerunde weitergemacht. Es handelte sich dabei nicht um eine offizielle Pressekonferenz des Automobil-Weltverbands Fia, sondern um die übliche Fragerunde von Verstappens Team im Motorhome von Red Bull am Suzuka International Racing Course.
Max Verstappen bei einer Autogrammrunde in Suzuka
Foto:Kim Kyung-Hoon / REUTERS
Hintergrund ist demnach eine Frage zum verlorenen Titelrennen, die Richards Verstappen beim Saisonfinale in Abu Dhabi im Dezember 2025 stellte. Der Journalist wollte wissen, ob Verstappen eine Aktion gegen den britischen Mercedes-Piloten George Russell beim Grand Prix in Barcelona bereuen würde, die Monate zurücklag.
Nach einem Zusammenstoß war Verstappen damals von seinem Renningenieur gebeten worden, die Position zurückzugeben, da er im Duell abgekürzt hatte. Verstappen ließ Russell vorbei, krachte dann aber kurz darauf in dessen Auto hinein. Der Niederländer kassierte eine Zehn-Sekunden-Strafe, fiel von Rang fünf auf den zehnten Platz zurück – und verlor damit neun wichtige Punkte im Titelkampf gegenüber dem späteren Weltmeister Lando Norris (lesen Sie hier mehr dazu). Am Ende lag Verstappen lediglich zwei Zähler hinter dem McLaren-Fahrer.
- Vier-Stunden-Rennen: Verstappen gewinnt erst auf dem Nürburgring und wird dann disqualifiziert
- Boost-Knopf, Biosprit, mehr E-Power: Diese Technikneuheiten bringt die Formel-1-Saison 2026 Von Nina Golombek und Karin Sturm
- Bilanz der Formel-1-Saison: Dieser eine Moment, der Verstappen wohl den WM-Titel kostete Von Marcus Krämer
Nicht der erste Konflikt in Pressekonferenzen
Schon in Abu Dhabi hatte Verstappen genervt auf die Frage des »Guardian«-Reporters reagiert. »Ich wusste, du würdest mich nach Barcelona fragen, und jetzt guckst du mich mit diesem dummen Grinsen an«, hatte Verstappen damals gesagt. Nun erreichte der persönliche Konflikt die nächste Stufe.
Es ist nicht die erste Auseinandersetzung Verstappens mit Medien- und Pressevertretern. 2022 hatte er dem Sender Sky in Mexiko zeitweise keine Interviews gegeben, weil er sich über einen Kommentar des britischen TV-Reporters Ted Kravitz über die umstrittene WM 2021 geärgert hatte.
2024 boykottierte Verstappen eine Fia-Pressekonferenz und gab später seine eigene Medienrunde. Zuvor hatte er sich einen Schlagabtausch mit dem Weltverband geliefert, nachdem ihn dieser sanktioniert hatte, weil er in einer Pressekonferenz das Wort »fucked« gebraucht hatte, um seinen Rennwagen zu umschreiben.
In der noch jungen Saison läuft es für den erfolgsverwöhnten Verstappen noch nicht rund. Vor dem Großen Preis von Japan am Sonntag (7.00 Uhr, TV: Sky) liegt er mit acht Punkten nur auf dem achten Rang der WM-Wertung. Verstappen hadert mit seinem Auto und dem neuen Reglement der Formel 1. Der Rückstand zu Spitzenreiter Russell beträgt bereits 43 Zähler.
