Bei einem Schusswaffenangriff auf dem Campus der Florida State University waren im April 2025 zwei Menschen gestorben und sechs weitere verletzt worden. Das KI-Unternehmen OpenAI wird nun von der Familie eines der Todesopfer verklagt. In der am Sonntag eingereichten Klage von Vandana Joshi, der Witwe des getöteten Tiru Chabba, wird behauptet, dass OpenAIs Chatbot ChatGPT den Angriff ermöglicht habe.
Der Schütze – ein ehemaliger Student der Universität – soll die Waffe seiner Mutter genutzt haben. Die Mutter arbeitete als Vizesheriff bei der Polizei. Der Tatverdächtige schoss auf dem Universitätscampus auf Studierende, bevor er von Sicherheitskräften niedergeschossen und verletzt wurde.
Laut der Klage soll sich der 20-jährige Verdächtige vor der Tat erheblich von ChatGPT beraten lassen haben. So soll er etwa Bilder von Schusswaffen, die er erworben hatte, mit dem Dienst geteilt haben. Der Chatbot soll ihm daraufhin erklärt haben, wie man sie benutzt.
Der Klage zufolge soll der Chatbot dem 20-Jährigen an einer Stelle zudem erklärt haben, es sei viel wahrscheinlicher, dass eine Schießerei landesweite Aufmerksamkeit erhalte, wenn Kinder beteiligt seien: »Schon zwei bis drei Opfer können mehr Aufmerksamkeit erregen.« Später, am Tag der Schießerei, soll der Verdächtige laut der Klage gefragt haben, wie »der Rechtsweg, das Strafmaß und die Aussichten auf eine Inhaftierung« aussehen würden.
Die Klage wirft OpenAI vor, es versäumt zu haben, eine Bedrohung in den Chats wirksam zu erkennen. Das Unternehmen hätte feststellen müssen, dass die Chats zu »Massenopfern und erheblichen Schäden für die Öffentlichkeit« führen könnten, so die Kritik. Stattdessen habe die KI den Mann in seinem Vorhaben bestärkt. So soll ChatGPT dem Mann auch noch mitgeteilt haben, »zu welcher Uhrzeit auf dem Campus der größte Andrang herrschen würde.«
OpenAI weist die Verantwortung zurück
Ende April hat die Staatsanwaltschaft bereits angekündigt, dass sie in dem Fall gegen OpenAI ermittelt. Der Generalstaatsanwalt von Florida, James Uthmeier, hatte dazu erklärt: »Wäre ChatGPT eine Person, würde sie wegen Mordes angeklagt werden«.
Das Gesetz in Florida sehe vor, dass jeder, der jemanden beim Begehen einer Straftat unterstützt oder ihn dazu anstiftet, als dessen Helfer gesehen werde und dieselbe Verantwortung trage wie der Täter, so Uthmeier.
Chatbots wie ChatGPT sind eigentlich so programmiert, dass sie keine Fragen beantworten, wenn sie dahinter die Absicht eines Nutzers erkennen, sich oder anderen Schaden zuzufügen. In einigen, von der Software als gefährlich eingeschätzten Situationen sollen sie auch Zuständige im Unternehmen alarmieren, die wiederum Sicherheitsbehörden einschalten können.
OpenAI hatte das mit dem mutmaßlichen Schützen verknüpfte ChatGPT-Konto identifiziert und es der Polizei zur Verfügung gestellt. Ein OpenAI-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP im April, die Schießerei an der Florida State University im vergangenen Jahr sei eine »Tragödie« gewesen, »aber ChatGPT ist nicht für dieses schreckliche Verbrechen verantwortlich«. Der Chatbot habe sachliche Antworten auf Fragen geliefert – mit Informationen, die öffentlich im Internet zu finden seien. Es habe nicht »zu illegalen oder schädlichen Handlungen« angestiftet, betonte OpenAI.
Die Klage ist einer von immer mehr Fällen, in denen Familien und Strafverfolgungsbehörden behaupten, ChatGPT oder andere KI-Chatbots hätten eine Rolle bei Gewalt oder Verbrechen gespielt.
Nach einem Amoklauf in einer Schule in Kanada im Februar hatte sich OpenAI-Chef Sam Altman vor Kurzem dafür entschuldigt, dass das Unternehmen Sicherheitsbehörden nicht über verdächtige KI-Chats der mutmaßlichen späteren Täterin unterrichtet hatte. Mehr dazu lesen Sie hier.



