Die Fifa hat ihrem Präsidenten Gianni Infantino zusätzlich zu seinem regulären Gehalt und Prämien mehr als eine Million US-Dollar gezahlt.
Das ergab eine Recherche der »Times« , die sich mit Erkenntnissen von ESPN deckt. Öffentlich bekannt gegeben wurden diese Zahlungen nicht. Das könnte einen Verstoß gegen die Statuten der Fifa darstellen.
Laut »Times« hat Infantino zwei getrennte Gehälter erhalten: eines von der Fifa in der Schweiz, das im Jahresbericht ausgewiesen ist, und ein weiteres, das von der WM-Veranstaltungsgesellschaft in den USA gezahlt und nicht offengelegt wurde.
Bekannte 4,5 Millionen + 1,5 Millionen
Seit Infantinos Wahl zum Präsidenten im Jahr 2016 hat sich die Fifa verpflichtet, sein Gehalt, seine Prämien und Zulagen sowie die des Generalsekretärs jedes Jahr zu veröffentlichen.
Im Jahr 2024 erhielt Infantino laut dem Jahresbericht der Fifa rund 4,5 Millionen Euro. Eine Steuererklärung für dieses Jahr, die von der zur Organisation der Weltmeisterschaft gegründeten Gesellschaft »FWC2026 US Inc.« beim US-Finanzamt (Internal Revenue Service) eingereicht wurde, zeigt jedoch, dass Infantino weitere gut 1,5 Millionen Euro erhielt, die von der Fifa in ihrem Jahresbericht nicht öffentlich ausgewiesen wurden.
Unabhängige Untersuchung gefordert
Miguel Maduro, der ehemalige Vorsitzende des Fifa-Governance-Ausschusses, bezeichnete die Nichtveröffentlichung der zusätzlichen Zahlungen als »einen klaren Verstoß gegen die Fifa-Satzung« und forderte eine unabhängige Untersuchung.
Artikel 43 Absatz 13 der Fifa-Satzung lautet: »Die individuellen Vergütungen des Fifa-Präsidenten, der Mitglieder des Rates und des Fifa-Generalsekretärs sind öffentlich bekannt zu geben.« Maduro sagte der »Times«: »Es ist ein klarer Verstoß gegen die Regeln, wenn er weitere Beträge von mit der Fifa verbundenen Unternehmen erhält und dies nicht veröffentlicht wird.«
Die »Times« bat die Fifa um eine Erklärung zu den zusätzlichen, nicht offengelegten Zahlungen an Infantino, doch in ihrer Antwort ging die Fifa nicht darauf ein, warum diese im Jahresbericht nicht ausgewiesen wurden. Die Fifa antwortete nicht auf Fragen der »Times«, ob Infantino vor der Weltmeisterschaft 2022 in Katar oder in den Jahren 2025 und 2026 weitere nicht ausgewiesene Beträge erhalten habe.
Die Fifa hat sich mittlerweile weitergehend geäußert: »Die Fifa zahlt dem Fifa-Präsidenten kein zweites Gehalt und hält alle Meldepflichten in Bezug auf Vergütungen ein. Die jährliche Vergütung des Fifa-Präsidenten sowie sonstige vertragliche Leistungen werden vom unabhängigen Vergütungsunterausschuss festgelegt. Die Fifa weist jegliche Behauptungen, sie habe finanzielle Informationen nicht offengelegt und gegen die Fifa-Statuten verstoßen, entschieden zurück. Unsere Bücher werden unabhängig geprüft und alle Angaben entsprechen den Steuervorschriften in der Schweiz, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern.«
55 Funktionäre des europäischen Fußballverbandes zeigen sich in Berlin einig: Gianni Infantino muss als Fifa-Boss abgelöst werden. Aber der Uefa geht es mittlerweile längst um mehr als die Personalie. Lesen Sie hier, wie der DFB und die Uefa den Weltfußball revolutionieren wollen.
