Wegen der Lage im Nahen Osten droht der Welt nach Ansicht des Präsidenten der Euro-Gruppe, Kyriakos Pierrakakis, eine historische Notlage. »Wenn die Straße von Hormus nicht rasch wieder vollständig geöffnet wird, hat diese Krise das Potenzial, die größte Energiekrise überhaupt zu werden«, sagte er in Athen. Die Ausfälle bei Öl und Gas könnten größer sein als in früheren Krisen etwa in den Siebzigerjahren oder nach Beginn des Ukrainekriegs.
Die Auswirkungen würden zudem weit über den Energiesektor hinausgehen, sagte Pierrakakis bei einer Veranstaltung am Montagabend. Auch wichtige Rohstoffe wie Düngemittel oder petrochemische Produkte könnten knapp werden. Besonders betroffen sei Asien, doch auch in Europa seien die Folgen bereits spürbar – primär durch steigende Energiepreise.
Globalisierung neu bewertet
Die EU versuche gegenzusteuern, sagte Pierrakakis. Geplant seien gezielte und befristete Hilfen für Bürger und Unternehmen. Wichtig sei dabei, dass wirtschafts- und geldpolitische Maßnahmen gut aufeinander abgestimmt werden.
- Feuerpause in Nahost: Sinken die Spritpreise bald wieder? Eine Analyse von Stefan Schultz
- Deutsche Wirtschaft: So verschärft die Energiekrise die Pleitewelle im Mittelstand Von Martin Hesse und Kathrin Werner
- Abschied von Öl und Gas: So wälzt der Irankrieg die Energiepolitik in vielen Ländern um Eine Analyse von Susanne Götze
Die aktuelle politische Lage spiele auch wieder eine deutlich größere Rolle in der internationalen Wirtschafts- und Finanzpolitik. »Wir erleben eine sehr starke Rückkehr der Geopolitik«, sagte Pierrakakis. Früher habe seine Generation geglaubt, dass Globalisierung und neue Technologien geografische Faktoren weniger wichtig machen würden. »Wir lagen falsch«, sagte er. Heute werde die Weltwirtschaft stärker davon geprägt, wie sich Macht zwischen Regionen verschiebt, wie schnell sich Technologien entwickeln und welche Rolle neue Akteure neben Staaten spielen.
