Schwere Kämpfe erschüttern seit Jahrzehnten den Osten der Demokratischen Republik Kongo. Rebellengruppen kämpfen dort immer wieder gegen das Militär. Eine große Zahl von Binnenflüchtlingen lebt unter beengten Verhältnissen in provisorischen Lagern. Dort droht sich das Ebolavirus weiter auszubreiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer »katastrophalen Kollision von Krankheit und Konflikt«.
»Wir können weder das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen noch Kranke isolieren, während Bomben fallen«, schreibt WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Plattform X. Er appelliert an die Kriegsparteien, sich auf einen sofortigen Waffenstillstand zu einigen, damit der Ausbruch eingedämmt werden kann.
Weil es keinen exakt passenden Impfstoff und keine speziellen Medikamente gegen die kursierende Ebola-Variante gibt, kann die Infektionskette nur unterbrochen werden, wenn Infizierte unter höchsten Sicherheitsstandards behandelt werden und ihre Kontakte sich für drei Wochen isolieren. Wegen der anhaltenden Kämpfe würden Menschen aber immer wieder vertrieben, und Kontaktpersonen von Infizierten könnten sich in überfüllten Flüchtlingslagern nicht von anderen fernhalten. »Wir bitten dringend, das Überleben der Menschen über alles andere zu stellen«, schreibt Tedros.
Eastern #DRC now faces a catastrophic collision of disease and conflict with the #Ebola outbreak in Ituri province outpacing the response.
— Tedros Adhanom Ghebreyesus (@DrTedros) May 27, 2026
The Ebola Bundibugyo virus has no approved vaccine nor treatment. Stopping this Ebola transmission depends entirely on humanitarian access.… pic.twitter.com/FGnQYIq6CH
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Nachbar Uganda schließt nun die Grenze zur DR Kongo, um die Ebola-Ausbreitung einzudämmen. Die Grenze bleibe vier Wochen lang geschlossen, teilen die Behörden mit. Ausgenommen seien Ebola-Einsatzteams, humanitäre und sicherheitsrelevante Maßnahmen sowie der Transport von Lebensmitteln.
Proben von Verdachtsfällen müssen bis Kinshasa
In der besonders betroffenen Provinz Ituri in der DR Kongo fehlt es derweil an medizinischer Ausstattung. Das fange schon beim Nachweis der Krankheit an, erklärte die deutsche Tropenärztin Gisela Schneider aus Tübingen. Sie kennt die Region aus eigener Erfahrung und war dort für den kirchlichen Verein Difäm im Einsatz. Kollegen vor Ort hätten ihr bestätigt, dass Proben von Verdachtsfällen weiterhin von der Provinzhauptstadt Bunia in die 1700 Kilometer (Luftlinie) entfernte Landeshauptstadt Kinshasa geschickt werden müssten. Bunia selbst habe noch kein Labor, das die Tests vornehmen könne. Derzeit würden erst Laborkapazitäten aufgebaut.
Zuletzt hatte die kongolesische Regierung rund 930 Verdachtsfälle und rund 220 Todesfälle gezählt.
Für den vorherrschenden seltenen Erregerstamm Bundibugyo gibt es zudem keinen Schnelltest. »Menschen, die bestimmte Symptome haben wie schweres Krankheitsgefühl, hohes Fieber, Erbrechen, Durchfall, müssen behandelt werden, als ob sie Ebola hätten«, so Schneider. »Sie werden gleichzeitig aber auch auf Malaria behandelt und andere Infektionskrankheiten. Bis die Diagnose gestellt ist, müssen die Patienten mehrgleisig behandelt und vor allem isoliert werden.«
Derzeit werden Triage-Center aufgebaut, um Ebola-Verdachtsfälle in Kliniken so frühzeitig wie möglich von anderen Patienten zu trennen, sagte Schneider. Mitarbeiter in Schutzkleidung würden daher am Eingang die Temperatur messen und Fragen stellen, um zu entscheiden, ob Patienten in die reguläre klinische Versorgung oder in den isolierten Bereich für Ebola-Verdachtsfälle kommen. Noch aber fehle es an Material, um die Schutzvorkehrungen in den Gesundheitszentren zu sichern. »Und deshalb kommt es im Moment auch noch zu vielen Infektionen, auch unter Gesundheitsmitarbeitenden.«
Hinzu kommt, dass es laut Josue Ibulungu, Landesdirektor der Diakonie Katastrophenhilfe, schwierig ist, Hilfsmaterial in die betroffene Region zu bringen. Der Flughafen in Bunia, der größten Stadt der Provinz Ituri, ist geschlossen. Auf der Straße dauert die Fahrt drei Tage und führt durch Rebellengebiete.
Warum der Ebola-Ausbruch beunruhigend ist, lesen Sie hier.
