Bei den Midterms droht den US-Republikanern um Donald Trump eine empfindliche Niederlage. Im schlimmsten Fall könnten beide Kammern des Kongresses verloren gehen, was den Handlungsspielraum des Präsidenten erheblich einschränken würde. Auch deshalb versucht Trump vor der Abstimmung alles, um seiner Partei zu mehr Stimmen zu verhelfen (unter anderem mit windigen Geldversprechen). Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Briefwahl.
Juristisch allerdings läuft es dabei nur mäßig. Jetzt hat der Oberste Gerichtshof der USA den Eilantrag von Trump zur Einschränkung der Briefwahl vor den wichtigen Zwischenwahlen im November abgelehnt. Der konservative Richter Brett Kavanaugh erklärte am Montag, Trumps Vorhaben könne langfristig zwar rechtmäßig sein, doch »die Wahlbehörden in den Bundesstaaten und Kommunen« hätten »nicht genügend Zeit«, um die Regelung vor den Wahlen »angemessen umzusetzen«.
Nur zwei Richter des neunköpfigen Gremiums waren anderer Meinung.
Richter Kavanaugh (2018)
Foto: Jonathan Ernst / REUTERSDer US-Präsident hatte ohne Belege immer wieder behauptet, die Briefwahl führe zu Betrug. Er will sie auf solche Menschen beschränken, die auf »Staatsbürgerschaftslisten der Bundesstaaten« stehen. Konkret soll die Post Wahlunterlagen nur noch an Menschen zustellen, die auf Listen verzeichnet sind, die zuvor von den Einwanderungs- und Sozialversicherungsbehörden erstellt wurden. Die oppositionellen Demokraten hatten dagegen geklagt.
Erst vor wenigen Tagen hatte Trump im Streit über die Briefwahl eine juristische Niederlage erlitten. Ein Berufungsgericht blockierte vergangenen Donnerstag ein Trump-Dekret, das die Abstimmung per Post erschweren würde (mehr dazu hier). Das Berufungsgericht für den Bezirk Massachusetts bestätigte eine Entscheidung der Vorgängerinstanz, gegen die die Regierung Rechtsmittel eingelegt hatte. Nun lag die Entscheidung in der Frage beim Obersten Gerichtshof in Washington.
Die Wahlen zur Hälfte von Trumps zweiter Amtszeit gelten als der bisher wichtigste Stimmungstest für den 80-Jährigen. Seinen Republikanern droht im Repräsentantenhaus eine Niederlage, im Senat könnte es ein Patt geben. Sollten die Demokraten gewinnen, wollen sie zahlreiche Vorhaben des Präsidenten blockieren. Sie könnten zudem ein weiteres Amtsenthebungsverfahren einleiten.
Rückschlag für Trumps Regierung auch im Visa-Streit
Es war nicht die einzige juristische Niederlage für den US-Präsidenten an diesem Tag. Ein Bundesrichter blockierte außerdem eine neue Regel der Regierung, die den Aufenthalt ausländischer Studenten und Journalisten in den USA begrenzen sollte (mehr dazu hier). Das Urteil des Gerichts in Boston erfolgte einen Tag, bevor die Regelung des Heimatschutzministeriums in Kraft treten sollte. Geklagt hatte ein Bündnis aus Gewerkschaften und Hochschulgruppen. Der Richter begründete seine Entscheidung damit, dass das Ministerium die Politik auf »außergewöhnlich schwache« Argumente gestützt habe.
Die nun gestoppte Regelung hätte eine fast 50 Jahre alte Praxis beendet, bei der ausländische Studenten Visa für die Dauer ihres Studiums erhalten. Die Regierung wollte diese Aufenthalte für Studierende (F-Visa) und Teilnehmer an Kulturaustauschprogrammen (J-Visa) auf vier Jahre begrenzen. Visa für Journalisten (I-Visa) sollten auf bis zu 240 Tage beschränkt werden. Der von dem republikanischen Präsidenten George W. Bush ernannte Richter schrieb, der Schaden für das Hochschulsystem und die US-Wirtschaft wäre »wahrscheinlich katastrophal«. Eine Stellungnahme des Heimatschutzministeriums lag zunächst nicht vor.
Vorsprung der Demokraten wird größer
Und damit sind die schlechten Nachrichten noch nicht abgearbeitet. Einer Umfrage zufolge bauen die Demokraten ihren Vorsprung vor den anstehenden Kongresswahlen aus. Laut der am Montag veröffentlichten Reuters/Ipsos-Erhebung würden derzeit 44 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die Demokraten stimmen und 37 Prozent für Trumps Republikaner. Ein Vorsprung von sieben Punkten ist der größte seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025.
Zugleich verlieren die Republikaner ihren langjährigen Vorsprung bei der Wirtschaftskompetenz: 38 Prozent der Befragten trauen den Demokraten in Wirtschaftsfragen mehr zu, bei den Republikanern sind es 37 Prozent.
Ein kleiner Lichtblick für den US-Präsidenten: Seine persönliche Zustimmungsrate stieg auf 35 Prozent, nachdem sie Ende August mit 33 Prozent den tiefsten Stand seiner politischen Laufbahn erreicht hatte. Trumps Beliebtheit hat seit dem Beginn des von ihm angezettelten Krieges gegen Iran im Februar deutlich gelitten. Der Konflikt hat die Öllieferungen aus dem Nahen Osten ins Stocken gebracht und die Preise für Kraftstoffe in die Höhe getrieben, was auch die Finanzen der US-Haushalte belastet.
Den Republikanern droht bei den Kongresswahlen im November eine Schlappe. Bei dem Sonderparteitag in Dallas wird deutlich, auf welche Strategie die GOP setzt – und dass manche darin ein Risiko sehen. Mehr in der Analyse aus Texas hier .
