SpOn 26.03.2026
15:58 Uhr

Deutschlandticket: Preis für ÖPNV-Abo steigt ab 2027 nach Index


Künftig wollen nicht mehr Bund und Länder entscheiden, was die Nahverkehrsflatrate kosten soll. Stattdessen soll der Preis mithilfe einer komplizierten Formel berechnet werden.

Deutschlandticket: Preis für ÖPNV-Abo steigt ab 2027 nach Index

Kam das Deutschlandticket ursprünglich für 49 Euro im Monat auf den Markt, haben Bund und Länder den Preis in mehreren Schritten auf aktuell 63 Euro erhöht – doch weitere Preissteigerungen sollen nicht mehr politisch entschieden, sondern anhand eines neuen Preisindex berechnet werden. Dieser soll vom kommenden Jahr an gelten, beschlossen die Verkehrsminister bei ihrer Konferenz am Mittwoch und Donnerstag in Lindau.

Wie hoch der Preis 2027 ist, soll spätestens Ende September feststehen, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), derzeitiger Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, am Donnerstag. Er glaube, er könne Entwarnung geben, dass es keine Erhöhung um eine zweistellige Prozentzahl gebe. Die saarländische Verkehrsministerin Petra Berg (SPD) sagte, der Preis werde »attraktiv« bleiben.

Die Berechnung des Ticketpreises erfolgt demnach künftig nach einer komplizierten Formel. Ein Kostenindex enthält Personal-, Energie- und allgemeine Kosten. Dazu kommt unter anderem ein Dämpfungsfaktor, der höhere Verkaufszahlen beim Ticket berücksichtigen soll – beim Verkauf von Jobtickets beispielsweise sei noch »Luft nach oben«, sagte Berg. Möglich ist theoretisch, dass der Preis des Tickets zu einem Jahreswechsel unverändert bleibt.

Scharfe Kritik äußerte der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD). »Während steigende Spritpreise sofort politische Debatten über Entlastung auslösen, werden hohe Preissteigerungen im öffentlichen Verkehr einfach hingenommen«, sagte die VCD-Vorsitzende Christiane Rohleder. »Dabei treffen die hohen Preise für Busse und Bahnen diejenigen am stärksten, die sich kein Auto leisten können.« Angesichts der hohen Energiekosten infolge des Irankriegs erwarteten die Menschen Entlastung.

Das Deutschlandticket gibt es seit Mai 2023. Das monatlich kündbare Abo hat mehr als 14 Millionen Nutzer und ermöglicht bundesweit Fahrten im Regional- und Nahverkehr. Es hat zuvor bestehende Tarifstrukturen erheblich vereinfacht . Weil das Ticket günstiger ist als bisherige regionale Abos, verlieren Verkehrsunternehmen Einnahmen. Als Ausgleich dafür geben Bund und Länder pro Jahr jeweils 1,5 Milliarden Euro. Die Verkehrsminister hatten sich im September geeinigt, diese Zuschüsse bis 2030 konstant zu halten. Hierfür werde es keine Indexierung geben, sagte Bernreiter nun. Das heißt, Mehrkosten müssen die Fahrgäste tragen.

Europäisches Urteil lässt Kostenschock befürchten

Während das Deutschlandticket damit auf absehbare Zeit gesichert ist, steht das Nahverkehrsangebot – also das, was Fahrgäste für das Ticket bekommen – gerade infrage. In der vergangenen Woche entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass die Berechnung der sogenannten Trassenpreise gegen EU-Vorgaben verstößt. Diese Schienenmaut müssen Verkehrsunternehmen an die Infrastruktursparte der Deutschen Bahn zahlen, wenn sie das deutsche Schienennetz nutzen.

Bisher war dabei der Regional- und Nahverkehr begünstigt worden. Das ist künftig nicht mehr möglich – weshalb die Länder, die den Regional- und Nahverkehr auf der Schiene bestellen, eine enorme Mehrbelastung befürchten. In diesem Zusammenhang fordern die Länder auch mehr Regionalisierungsmittel, die der Bund den Ländern für die Finanzierung des Nahverkehrs auf der Schiene bereitstellt. 14 Milliarden Euro zusätzlich sind aus Sicht der Länder bis 2031 nötig – derzeit betragen die Mittel rund 12 Milliarden pro Jahr und werden jährlich um drei Prozent erhöht.

Doch entschieden die Minister hierzu in Lindau noch nichts: Ziel sei, bis zum Fahrplanwechsel 2027 ein neues Trassenpreissystem zu erarbeiten, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, woran sein Haus derzeit arbeite. Zur Forderung höherer Regionalisierungsmittel wolle er noch nicht Stellung beziehen.

Führerscheinreform: Neue Regeln sollen ab 2027 gelten

Schnieders Ministerium arbeitet außerdem zurzeit an einer Führerscheinreform , mit dem Ziel, die Fahrausbildung günstiger zu machen. Hierzu bekam er nun Unterstützung von den Landesministern, trotz Skepsis an einzelnen Punkten wie der Laienausbildung. Sein Ziel sei, noch in diesem Jahr das Gesetzgebungsverfahren beenden zu können, sodass eine Neuregelung ab 1. Januar 2027 gelten könne, sagte Schnieder.

Als mehrjähriges Pilotprojekt im Rahmen der Führerscheinreform soll es Eltern und Angehörigen von Fahrschülern ermöglicht werden, einen Teil der Fahrausbildung zu übernehmen. Diese sogenannte Laienausbildung gibt es bereits in Österreich – lesen Sie hier , wie das Modell dort funktioniert.

lki/dpa