SpOn 20.07.2026
15:18 Uhr

Deutschland: Zahl der Störche hat sich mehr als verfünffacht


In den Achtzigerjahren gab es in der BRD und der DDR zusammen weniger als 3000 Weißstorch-Brutpaare. Jetzt aber sind es so viele wie noch nie. Wie es dazu kam und wo besonders viele leben.

Deutschland: Zahl der Störche hat sich mehr als verfünffacht

Falls Sie demnächst vor die Tür treten und wiederholtes Klappern hören: Womöglich hat sich ein Storchenpaar bei Ihnen niedergelassen. Denn in Deutschland brüten immer mehr Weißstörche, hat der Naturschutzbund Nabu nun mitgeteilt. Man rechne in dieser Saison bundesweit mit 15.000 Brutpaaren, hieß es – das wären so viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

»Selbst vor 100 Jahren gab es nicht so viele Störche«, sagte Bernd Petri von der Nabu-Bundesarbeitsgruppe Weißstorch. »Im Gegensatz zu vielen anderen Arten haben wir beim Storch jetzt einen guten Erhaltungszustand.«

In den Achtzigerjahren sah das noch ganz anders aus: Damals habe es in den beiden deutschen Staaten weniger als 3000 Brutpaare gegeben, führte der Nabu aus. In vielen Regionen waren Störche demnach komplett verschwunden. Schuld daran seien Nahrungsmangel durch eine intensivierte Landwirtschaft, die Trockenlegung von Mooren und Gefahren auf den Zugwegen der Tiere gewesen.

Warum es wieder mehr Störche hierzulande gibt

Dass es hierzulande wieder mehr Störche gebe, sei auf gezielte Naturschutzmaßnahmen wie die Wiedervernässung von Mooren zurückzuführen. Zudem gebe es mittlerweile verstärkt Grünlandbewirtschaftung, die auf den Weißstorch abgestimmt sei.

Weißstörche im Nest

Weißstörche im Nest

Foto: Patrick Pleul / dpa

Aber auch die Störche passten sich an, so der Nabu. Immer mehr der Tiere haben ihren Zug im Herbst stark verkürzt – und ihre Überlebensrate so erhöht. »Durch Deutschland verläuft eine sogenannte Zugscheide. Östlich davon ziehen die Störche im Winter wie eh und je über den Balkan und Nahen Osten nach Afrika. Westlich der Zugscheide dagegen geht es nur noch bis Spanien«, erklärte Petri. Dort fänden die Störche auf Reisfeldern und Mülldeponien reichlich Nahrung.

»Vor 30 Jahren waren drei Viertel unserer Störche Ostzieher, heute ist das Verhältnis umgekehrt: Drei Viertel ziehen nach Westen. Der Schwerpunkt der Storchenvorkommen hat sich grob gesagt von der Elbe an den Rhein verlagert«, erläutert Petri.

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Weißstörche brüten in allen Bundesländern; die meisten Brutpaare gab es im vergangenen Jahr in Niedersachsen (2737) und Baden-Württemberg (2602). Sechs bis sieben Paare je 100 Quadratkilometer gelten laut Nabu als eine gute Dichte. Die war zuletzt in Hessen am höchsten: So habe laut Nabu etwa der Kreis Groß-Gerau 90 Storchenpaare je 100 Quadratkilometer. Weitere Hotspots liegen demnach in Mittelfranken und Oberschwaben.

Zum Überwintern fliegen viele von ihnen keineswegs mehr bis nach Afrika, sondern bleiben in Europa. Dabei bevorzugen sie ein überraschend hässliches Winterdomizil. 

mkh/dpa