SpOn 27.03.2026
12:06 Uhr

Deutsche Bahn: Mehr Fahrgäste - und noch größerer Milliardenverlust


Die Deutsche Bahn profitiert von wachsender Nachfrage. Doch im vergangenen Jahr stieg auch der Verlust im Fernverkehr. Die Zahlen zeigen, woran es oft hapert.

Deutsche Bahn: Mehr Fahrgäste - und noch größerer Milliardenverlust

Trotz zahlreicher Probleme bei der Deutschen Bahn ist die Nachfrage im Schienenverkehr weiter hoch. Doch Abschreibungen im Fernverkehr haben im vergangenen Jahr erneut zu einem hohen Milliardenverlust geführt. Unter dem Strich verzeichnete der bundeseigene Konzern ein Minus von 2,3 Milliarden Euro, wie die Bahn am Freitag mitteilte. Damit erhöhte sich der Verlust im Vergleich zum Vorjahr um rund 500 Millionen Euro.

Hauptgrund dafür seien Wertminderungen bei der Unternehmenstochter DB Fernverkehr in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro. Die Sparte erwartet demnach zukünftig aufgrund der anhaltenden Probleme bei der Infrastruktur deutlich niedrigere Umsätze. Da sich der Zustand des Netzes und damit auch die Pünktlichkeitswerte nur langsam erholen, wirke sich das längerfristig auf das Geschäft im Fernverkehr aus.

Hinzu kommt, dass die Deutsche Bahn die gut laufende Logistiktochter DB Schenker im vergangenen Jahr verkauft hat. Damit fehlt dem Konzern nun ein wichtiger Gewinnbringer. Der Verkaufserlös ging nahezu ausschließlich in den Abbau des hohen Schuldenbergs, der dadurch im vergangenen Jahr laut Bahn um knapp zwölf Milliarden auf nunmehr 20,7 Milliarden Euro abgebaut werden konnte.

Bahnkunden am Karlsruher Hauptbahnof

Bahnkunden am Karlsruher Hauptbahnof

Foto: Joko / IMAGO

Trotz der hohen Verluste zeichne sich mit Blick auf die wirtschaftliche Krise eine Trendwende ab, teilte Bahn-Chefin Evelyn Palla mit. Der Konzern machte eigenen Angaben zufolge operativ, also vor Zinsen und Steuern (Ebit), einen Gewinn von 297 Millionen Euro und kam somit erstmals seit Jahren wieder in die schwarzen Zahlen. Der Umsatz stieg zudem um rund drei Prozent auf 27 Milliarden Euro.

Bei Umsatz und operativem Ergebnis habe die Bahn im vergangenen Jahr somit einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht, betonte Palla. Zufriedenheit sei gleichwohl fehl am Platz. »Erst wenn wir wieder nachhaltig Jahresüberschüsse erwirtschaften und Investitionen aus eigener Kraft stemmen können, sind wir am Ziel.«

Die Vergütung alter und neuer Bahnvorstände belief sich im vergangenen Jahr inklusive Abfindungen und Bonus-Zahlungen auf insgesamt rund 17,3 Millionen Euro. Den größten Teil davon erhielt mit knapp 5,5 Millionen Euro der frühere Vorstandschef Richard Lutz.

Das Festgehalt von Lutz betrug dabei 1,4 Millionen Euro. Darüberhinaus bekam er infolge seiner Abberufung zum Oktober eine Abfindung von knapp 3,5 Millionen Euro plus Boni, sogenannte variable Vergütungen, in Höhe von rund 570.000 Euro.

Als Benzin über zwei Euro kletterte, stieg die Nachfrage

Was die Zahl der Fahrgäste betrifft, verzeichnete der bundeseigene Konzern über alle Verkehrssparten hinweg im vergangenen Jahr mit rund 1,93 Milliarden ein Plus von 3,4 Prozent. Die sogenannte Verkehrsleistung, also das Produkt aus beförderten Fahrgästen und zurückgelegter Strecke, stieg im Vorjahresvergleich um 2,7 Prozent auf 87 Milliarden Personenkilometer.

Fernverkehrsvorstand Michael Peterson bestätigte, dass sich diese Entwicklung durch die Folgen des Irankriegs verstärken könnte. »Tatsächlich führen die gestiegenen Kraftstoffpreise zu einem Wettbewerbsvorteil«, sagte er. »Wir haben am Tag, als die Benzinpreise erstmals über zwei Euro gestiegen sind, einen deutlichen Nachfrageanstieg gesehen.« Längerfristig zeige sich der Trend noch nicht. Es sei aber davon auszugehen, »dass uns das helfen wird«.

Die hohen Spritpreise werden im Konzern auch deshalb als Hoffnungswert gehandelt, weil der Fernverkehr Kunden verloren hat und derzeit nur etwa zur Hälfte ausgelastet ist. Durch ein starkes Wachstum des Regionalverkehrs ist der Bahnverkehr jedoch besonders an viel befahrenen Knotenpunkten schon mit den heutigen Passagierzahlen überfordert. Mehr zu diesem Dilemma lesen Sie hier .

jpe/dab/dpa