Der Land Rover ist knallrot und mit bunten Aufklebern übersät. 1,5 Tonnen wiegt der Prototyp aus dem Jahr 1981, den der britische Armeeveteran Darren Hardy mehrere Tage lang über eine Strecke von 100 Kilometer gezogen hat.
Auf einer Betonbahn in der Nähe von London hatte Hardy sich vor das Fahrzeug geschnallt und war losgelaufen. Am Dienstag erreichte er das Ziel – und stellte mit 98 Stunden für 100 Kilometer einen neuen Weltrekord im Fahrzeugziehen auf.
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»Ich habe mich schon besser gefühlt«, sagte Hardy, nachdem er sich am Blackbushe Airport in der Nähe seiner Heimatstadt Fleet endlich von dem Land Rover lösen konnte. Seine Beine fühlten sich wie Beton an und seine Waden seien furchtbar geschwollen, sagte er. Beide Füße wiesen demnach durch die Belastung Stressfrakturen auf.
Hardy schlief laut eigenen Angaben während der Tour nur wenigen Stunden pro Tag. Er tankte Energie über Proteingels und Elektrolyte, verbrannte geschätzt 50.000 Kalorien während seiner Aktion. Sein erstes Paar Laufschuhe hielt 65 Kilometer, bevor es auseinanderfiel.
Der dritte Tag sei körperlich der härteste gewesen, sagte er. Gegen Ende habe er sich »irgendwie großartig gefühlt, wegen des Adrenalins und des Ziels«.
Die körperliche Anstrengung war demnach immens, die Monotonie des Auf- und Abgehens auf einem trostlosen Betonstreifen, insbesondere im Dunkeln bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt, eine Herausforderung. »Ich weiß nicht, wohin ich wirklich gehe, aber ich genieße diesen dunklen Ort irgendwie«, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.
Darren Hardy in Aktion: »Irgendwie großartig gefühlt«
Foto: Martyn Herman / REUTERSEs war nicht nur sportlicher Ehrgeiz, der den 40-Jährigen antrieb. Mit seiner kraftraubenden Aktion wollte er Geld sammeln für Betroffene von H-ABC, einer äußerst seltenen und unheilbaren degenerativen Hirnerkrankung. Die durch eine Genmutation verursachte Nervenerkrankung beginnt meist im Kleinkindalter und führt zu Bewegungseinschränkungen, Muskelsteifheit, Ataxie und Entwicklungsverzögerungen.
Zwei Jahre nach seiner Entlassung aus der Armee war Hardy auf die Geschichte der mittlerweile 17-jährigen Aggie Candy-Waters gestoßen, bei der 2015 H-ABC diagnostiziert wurde. Sie konnte weder gehen noch verbal kommunizieren. Er beschloss, zu helfen.
In der Vergangenheit konnte Hardy bereits 120.000 Pfund, rund 138.500 Euro, an Spenden für eine H-ABC-Stiftung sammeln. Er hofft, dass durch die aktuelle Aktion noch mehr Geld für die Betroffenen gespendet wird.
Veteran mit PTBS
Der ehemalige Royal Engineer hatte in der Vergangenheit selbst gesundheitliche Probleme. 2017 wurde er mit einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) aus der britischen Armee entlassen. Er hatte unter anderem im Irak gedient, wo er auch verletzt wurde.
Die Royal Engineers, auch »Sappers« genannt, sind das technische Pionierkorps der britischen Armee. Die kampferprobten Soldaten verfügen über technisches Fachwissen, sie bauen Brücken, räumen Minenfelder, zerstören Infrastruktur und leisten operative Unterstützung im Gefecht.
