Nicht fürs Leben, sondern für die Schule lernen wir.
Dieser alte Spruch geht auf den römischen Philosophen Seneca zurück. Der äußerte damit Kritik an den Schulen seiner Zeit. Das war vor fast 2000 Jahren. Gültigkeit besitzt der Satz noch heute – und wird andersherum verwendet:
Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir.
Wie in der Efterskole in Dänemark, der »Nachschule«. Jugendliche sollen hier vor allem etwas über sich selbst lernen: was sie vom Leben wollen, für welchen Beruf sie sich interessieren, wie sie Freundschaften schließen und pflegen. Die Teenies verlängern mit dem Besuch freiwillig ihre Schullaufbahn. Kostenlos ist das nicht, aber der Staat übernimmt einen Großteil der Gebühren.
Meine Kollegin Elisa Schwarze hat sich diese dänische Tradition vor Ort selbst angesehen und die Schule Baunehøj, eine Stunde nordwestlich von Kopenhagen, besucht. »Wir wollen Orte schaffen, an denen Schüler aus Interesse und Neugier lernen, nicht, um sich mit anderen zu vergleichen«, sagt Schulleiter Ulrik Goos Iversen.
Schüler beim Austritt: Noten und Prüfungen gibt es nicht
Foto: Jonas Cornelius ThejsenDie Schülerinnen und Schüler wählen dort einen Schwerpunkt, etwa Kochen, Design, Reiten oder Wildnistraining. Noten oder formale Prüfungen gibt es nicht.
Vor Kurzem haben sie hier selbst entschieden, ihre Handys für zwei Wochen wegzuschließen. »Wir wollen lieber Zeit miteinander verbringen, als uns von Social Media ablenken zu lassen«, sagt Schüler Lundbye Larsen. Wie er es sagt, klingt es normal, dass Teenager so denken, schreibt Elisa in ihrem Text.
Meine Kollegin schreibt mir, dass sie sehr beeindruckt war, wie reflektiert die Jugendlichen sind. »Sie haben mir Lebensweisheiten und Ratschläge mitgegeben, die ich mit 16 Jahren auf jeden Fall noch nicht hätte geben können«, berichtet sie und schmunzelt.
»Es hätte mir sicher auch gutgetan, in dem Alter ein solches Jahr zu verbringen«, schreibt mir Elisa noch.
Ihren Text empfehle ich Ihnen sehr: Diese Schule ist so gut, dass Teenies freiwillig hingehen.
Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
Italienische Müllabfuhr rettet weggeworfenen Millionen-Lottoschein
Da gewinnt man eine Million Euro im Lotto, und dann das: Weil der Automat »nicht auszahlbar« anzeigte, ließ eine Frau in Italien ihren kostbaren Gewinnschein zurück. Die Müllabfuhr setzte alle Hebel in Bewegung. Die Meldung lesen Sie hier.
Iranische Fußballerinnen in Australien eingebürgert
Der Anlass hat nichts Positives. Doch nun hat es geklappt: Die zuvor angefeindeten iranischen Fußballerinnen Fatemeh Pasandideh und Atefeh Ramezanisadeh sind Medienberichten zufolge in Australien eingebürgert worden. »Gestern war einer der glücklichsten Tage meines Lebens«, zitiert eine Zeitung Pasandideh. Lesen Sie hier mehr über den Fall.
Spielerinnen Atefeh Ramezanisadeh und Fatemeh Pasandideh
Foto:Jack Tran / AAP / dpa
Das Versprechen von Frieden und Freundschaft – auf diesem Acker scheint es sich zu erfüllen
Auf einem staubigen Feld in Hessen errichten 6000 Pfadfinder Zelte, Küchen und Werkstätten. Und schaffen beim Bundeslager eine Gegenwelt aus Gemeinschaft und Verantwortung. Hier geht es zum Text .
Italien soll mehr Gratisstrände bekommen
Und noch einmal zurück nach Italien: Eigentlich gehört Italiens Küste dem Staat und sollte Besuchern frei zugänglich sein. Die Realität sieht anders aus. Jetzt gehen die Behörden strenger gegen illegale Privatbäder vor. Zur Meldung geht es hier entlang. Und hier zum Interview mit einem jungen Politiker , der gegen teure Strandbäder mobilmacht.
Strand in Ostia, dem Stadtstrand Roms
Foto: Marcello Valeri / ZUMA Press / IMAGO»Wir feiern die Nieten!« Für eine Sechs auf dem Zeugnis gibt es hier Eis und Salzstangen
Martin »Miene« Gruber betreibt das Strandbad Utting am Ammersee. Er ist aber auch Bademeister, Koch und augenzwinkernd Demotivationstrainer. Vor Ort gibt es jetzt nämlich Belohnungen für schlechte Noten. Was dahintersteckt, erzählt er hier .
Was gut ist – für Sie:
So bringen Sie endlich Ordnung in Ihre Finanzen
Wofür gebe ich mein Geld aus? Und wie viele Versicherungen habe ich überhaupt? Um Ihre Finanzen richtig in den Griff zu kriegen, hilft eine Bestandsaufnahme. Hier erfahren Sie, wie das geht.
Warum gesunde, kräftige Füße so wichtig sind
Neue Forschung zeigt: Kräftige Fußmuskeln können Balance und Stabilität verbessern. Was spezielles Training bewirken kann, lesen Sie hier .
Im Fitnessstudio hatte der Fuß lange einen schweren Stand
Foto:Animaflora / iStockphoto / Getty Images
Wie Sie sich für den nächsten Job empfehlen, ohne peinlich zu werden
Ein gutes Netzwerk ist oft der einzige Zugang zum verdeckten Arbeitsmarkt. Dabei ist »Vitamin B« keine Frage von Glück oder Herkunft: Beziehungspflege ist lernbar. Hier mehr dazu .
»Menschen, die ein breiteres Vokabular für ihre Emotionen haben, sind resilienter«
Traurigsein galt mal als erstrebenswert, Glücklichsein als frivol – und Flugscham ist ein ganz modernes Gefühl. Die Historikerin Tiffany Watt Smith erklärt hier , was wir aus der Geschichte der Emotionen über uns selbst lernen können.
Und sonst?
Erlaube ich mir zum Schluss, Ihnen eine Serie ans Herz zu legen, für die ich selbst eine Rezension geschrieben habe. Nicht deswegen natürlich, sondern der Serie wegen. Versteht sich!
Für die Fußballserie »Ted Lasso« muss man kein Fußballfan sein, nur etwas Humor sollte man mitbringen. Nun erschien die vierte Staffel des preisgekrönten Feelgood-Formats. Diese dreht sich um ein neues Frauenteam – und stellt empfindliche Fragen zur Gleichberechtigung. Auf dem Feld und daneben.
Szene aus »Ted Lasso«: Jetzt zum Fußball (der Frauen)
Foto:Colin Hutton / Apple TV
Und im Grunde geht es um die elementare – kitschige, okay! – Frage: Was braucht es, um ein guter Mensch zu sein? Dafür steht Ted Lasso: Versuche stets, die beste Version deiner selbst zu sein. Ein Motto, so massentauglich wie auch der Fußball der Frauen.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
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Ihre Anna Ehlebracht, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL

