SpOn 24.03.2026
13:25 Uhr

DAK-Studie: Immer mehr Kinder und Jugendliche sind mediensüchtig


Doomscrolling bei TikTok, ChatGPT gegen Einsamkeit: Der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen wird einer Studie der DAK zufolge immer problematischer. Experten fordern klare Gesetze zur Altersregulierung.

DAK-Studie: Immer mehr Kinder und Jugendliche sind mediensüchtig

Riskanter Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen wird durch KI-Chatbots erhöht, wie eine Studie der Krankenkasse DAK zeigt. Bis zu etwa zehn Prozent der Befragten nutzen KI-Anwendungen gegen Einsamkeit, wie die DAK in ihrer nun veröffentlichten Mediensuchtstudie  mitteilte. Bei Jugendlichen mit depressiven Symptomen sind es sogar 33 Prozent. Ebenfalls 33 Prozent gaben an, dass ein Chatbot sie besser verstehe als ein echter Mensch.

»Primär kommerziell motivierte KI-Chatbots bergen besondere Risiken für Kinder und Jugendliche«, warnte Studienleiterin Kerstin Paschke vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Durch die bestätigenden Reaktionen der KI könnten Minderjährige über eine parasoziale Beziehung eine emotionale Bindung zum Chatbot entwickeln. Dies könne problematische Nutzungsmuster begünstigen.

Mehr als jeder vierte Minderjährige nutzt KI-Anwendungen der Studie zufolge mehrmals pro Woche. Dabei vertrauen mehr als zwei Drittel den Aussagen zumindest manchmal. Am häufigsten nutzen sie KI als Hilfe für Hausaufgaben und zur Beschaffung von Informationen. Mehr als die Hälfte nutzt sie aber auch aus Neugier oder Spaß.

Mediensucht auf hohem Niveau

Insgesamt bleibt die Mediensucht bei Minderjährigen auf einem hohen Niveau. Jedes vierte Kind zeigt laut DAK eine problematische Social-Media-Nutzung. Davon betroffen sind eineinhalb Millionen junge Menschen.

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21,5 Prozent der Zehn- bis 17-Jährigen haben eine riskante Nutzung. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil leicht an. 6,6 Prozent gelten als süchtig. Hochgerechnet sind das rund 350.000 Kinder und Jugendliche. Der Anteil der mediensüchtigen Minderjährigen stieg um 1,9 Prozent.

Jeder Fünfte nutzt Onlinevideos auf riskante Weise. Der Wert stieg im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent an. Vier Prozent erfüllen die Suchtkriterien. Bemerkenswert aus Sicht der Suchtvorbeugung sei ein starker Anstieg bei der Nutzung von Onlinevideos auf Plattformen wie TikTok und YouTube. Damit rückten auch verbreitete Darstellungselemente wie endloses Scrollen oder automatische Wiedergaben in den Fokus.

61,5 Prozent der Eltern sprechen mit ihren Kindern über deren Mediennutzung. Ähnlich viele geben vor, welche Inhalte ihr Kind nutzen darf. Bei den Zehn- bis 13-Jährigen sind Eltern strenger als bei den Älteren: In dieser Gruppe setzen gut 90 Prozent ihren Kindern Regeln zu Angeboten und Inhalten.

DAK-Chef Andreas Storm forderte bis zur Sommerpause gesetzliche Regeln für eine Altersregulierung. »Damit erste Maßnahmen dann bereits im kommenden Schuljahr greifen, sollten wir unabhängig von einer EU-weiten Lösung handeln«, erklärte er. Eine frühzeitige Vermittlung von Medienkompetenz in der Schule sei wichtig. Für die Erhebung wurden Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren sowie jeweils ein Elternteil befragt.

czl/AFP/dpa