Die Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt gegen den Ex-Mann von Collien Fernandes. Nach der Auswertung der Berichterstattung des SPIEGEL könne ein Anfangsverdacht gegen Christian Ulmen bejaht werden, teilte die Behörde mit.
Collien Fernandes hatte im November 2024 bei der Berliner Polizei Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Es ging in der Sache um die Fälschung von Onlineprofilen. Im weiteren Verlauf übernahm schließlich die Staatsanwaltschaft Itzehoe das Verfahren. Dort wurden die Ermittlungen allerdings schließlich eingestellt. Weil Ermittlungsansätze gefehlt haben sollen, wie die Staatsanwaltschaft gegenüber dem SPIEGEL noch Anfang März behauptete.
Vorwurf der Nachstellung
Nun hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren wieder aufgenommen. Dieser Schritt sei nach Prüfung der Veröffentlichung des SPIEGEL erfolgt, teilte Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow mit. »Das bedeutet, dass sich bei uns weitere Prüfungen in der Sache anschließen.« Ermittelt werde wegen des Vorwurfs der Nachstellung gemäß § 238 Absatz 1, Nummer 7 und 8 StGB; ob weitere Straftaten in Betracht kämen, werde geprüft.
Der Sachverhalt der Strafanzeige müsse konkret geklärt werden, so Müller-Rakow. »Das kann Auswirkungen auf die rechtliche Würdigung haben.« Die Frage, ob die Ermittler Collien Fernandes nun kontaktieren würden, beantwortete der Sprecher inhaltlich nicht. »Weitere Auskünfte kann ich jetzt aus ermittlungstechnischen Gründen nicht geben.«
Zur Frage, warum das Verfahren zunächst eingestellt wurde, hatte Müller-Rakow zuvor mitgeteilt, dass Fernandes vor rund einem Jahr von den Behörden angeforderte Unterlagen nicht eingereicht habe. Man habe damals von ihr keine Antwort auf eine entsprechende Anfrage per Brief erhalten. Das »Hamburger Abendblatt« zitierte den Oberstaatsanwalt mit Blick auf Fernandes: »Sie hat durch ihre Nichtreaktion ihr Desinteresse deutlich gemacht.« Fernandes wies den Vorwurf zurück.
»Zu jedem Zeitpunkt kooperativ«
Christina Clemm, die Anwältin der Schauspielerin, teilte dem SPIEGEL dazu mit: »Ich kann versichern, dass meine Mandantin zu jedem Zeitpunkt mit den Ermittlungsbehörden kooperativ war.« Fernandes habe bei den Berliner Behörden »in mehreren E-Mails Unterlagen eingereicht« und »sehr konkrete Ermittlungsansätze inklusive Kontakte« mitgeteilt. E-Mail-Adresse und Handynummer der Schauspielerin seien den Behörden bekannt gewesen.
»Nachdem meine Mandantin die Mitteilung erhalten hatte, dass das Verfahren an eine nicht näher bezeichnete Polizeibehörde in Schleswig-Holstein abgegeben sei und sie von dort gegebenenfalls weitere Informationen erhalte, erreichte sie keine Nachricht mehr«, so Clemm. Einen Brief der zuständigen Polizeibehörde habe Fernandes nicht bekommen. »Den vorhandenen Ermittlungsansätzen kamen die Ermittlungsbehörden in keiner Weise nach.«
In der vorigen Woche berichtete der SPIEGEL erstmals über Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner Ulmen. Sie beschuldigt ihn unter anderem, auf sozialen Medien täuschend echt aussehende Fakeprofile von ihr erstellt und darüber »Hunderte von Männern« kontaktiert zu haben.
Ulmen soll sich als Fernandes ausgegeben und mit einigen Männern sexuelle Gespräche geführt sowie erotische Bilder und Videos verschickt haben. Das Material sollte offenbar den Eindruck erwecken, als handele es sich um authentische Aufnahmen.
Anzeige in Spanien
Fernandes hatte Ende vergangenen Jahres in Spanien Anzeige gegen ihren Ex-Mann erstattet. Im Raum steht die Frage, ob das Verfahren in der Verantwortung der spanischen Behörden bleibt oder ob sich bald auch deutsche Behörden darum kümmern müssen.
Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung hinsichtlich aller Vorwürfe. Der SPIEGEL hat ihm einen umfangreichen Fragenkatalog zu den Vorwürfen geschickt. Er selbst äußerte sich nicht dazu.
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Ulmens Anwälte boten dem SPIEGEL ein Hintergrundgespräch an, das vor der Veröffentlichung des Artikels stattfand. Die Juristen gingen dabei auf einen Teil der Vorwürfe gegen Ulmen ein – zuvor hatten sie es allerdings zur Bedingung gemacht, dass nicht über ihre Einlassungen berichtet werden darf.
Die Anwälte, die Ulmen seit der SPIEGEL-Veröffentlichung in der vergangenen Woche vertreten, sprechen im Zusammenhang mit den Vorwürfen unspezifisch von »unwahren Tatsachen«.
