SpOn 23.03.2026
16:10 Uhr

Christian Dürr: FDP-Chef muss gehen


Die FDP zieht Konsequenzen aus der Wahlniederlage in Rheinland-Pfalz. Beim Parteitag im Mai will sich der Parteivorstand nach SPIEGEL-Informationen komplett neu aufstellen.

Christian Dürr: FDP-Chef muss gehen

Christian Dürr übernahm im Mai 2025 den Parteivorsitz der FDP. Nach nur einem Jahr endet seine Zeit an der Spitze der Liberalen, zumindest vorerst.

Ursprünglich sollte der FDP-Vorstand nach SPIEGEL-Informationen in einer gemeinsamen Sitzung über Dürrs Zukunft abstimmen. Dürr ließ dann aber über die Zukunft des gesamten Vorstands abstimmen. Das Ergebnis: Eine überwältigende Mehrheit sprach sich mit wenigen Gegenstimmen dafür aus, den Vorstand komplett neu aufzustellen.

Die Liberalen befinden sich nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz in einer schweren Führungskrise. Die FDP kam bei den Landtagswahlen am Sonntag nur auf 2,1 Prozent der Stimmen, zuvor hatte sie in Baden-Württemberg 4,4 Prozent erreicht – und damit in beiden Ländern den Einzug in den Landtag verpasst. Auch bei der Bundestagswahl im Februar 2025 war die Partei an der Fünfprozenthürde gescheitert.

Wenn sich der FDP-Vorstand im Mai neu aufstellt, will auch Dürr wieder kandidieren. Das erklärte er auf einer Pressekonferenz. Er habe im Bundesvorstand angeboten, sich einer Vertrauensfrage zu stellen. Dies sei ausdrücklich nicht gewünscht worden, sagte Dürr. Deshalb habe der gesamte Bundesvorstand auf seinen Vorschlag hin Verantwortung übernommen und werde sich beim Parteitag ein neues Mandat geben lassen. Der FDP-Chef kündigte auch an, an seiner Generalsekretärin Nicole Büttner festhalten zu wollen.

»Es braucht auf dem kommenden Bundesparteitag eine neue Legitimation«, sagte Dürr. »Das ist die Konsequenz aus zwei verlorenen Landtagswahlen.« Die Neuwahl auf dem Bundesparteitag solle für eine »klare Kursbestimmung« sorgen – »insbesondere in Bezug auf meine Person«.

Wer gegen ihn antreten könnte? Die prominente Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann bot im FDP-Präsidium nach SPIEGEL-Informationen an , den Parteivorsitz zu übernehmen. Allerdings nur, wenn sie Teil einer Doppelspitze wäre.

Teilnehmern zufolge sagte Strack-Zimmermann, Chefin der deutschen FDP-Abgeordneten im Europaparlament, sie stehe für das Vorsitzendenamt an der Seite einer zweiten Person zur Verfügung. Zuvor hatte sie Parteichef Dürr, so wird berichtet, das Misstrauen ausgesprochen. Die Möglichkeit einer Doppelspitze sieht das FDP-Statut bislang nicht vor. Allerdings liegt ein entsprechender Antrag für den Bundesparteitag Ende Mai vor.

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Als möglicher Bewerber gilt neben Strack-Zimmermann der Parteivize und nordrhein-westfälische Landes- und Fraktionsvorsitzende Henning Höne. Parteivize Wolfgang Kubicki, den sich der konservative Teil der Liberalen als Vorsitzenden vorstellen könnte – auch als Teil einer Doppelspitze mit Strack-Zimmermann –, gibt kein Interesse zu erkennen. Auf Strack-Zimmermanns Vorstoß reagierte er Teilnehmern zufolge mit den Worten: »Ich bin schon verheiratet.« Die Europapolitikerin gilt als Kopf des progressiven Parteiflügels. Auch Höne reagierte dem Vernehmen nach nicht auf das Angebot der FDP-Politikerin.

Anmerkung der Redaktion: Die ursprüngliche Headline dieser Meldung hieß »Dürr gibt auf«. Die Schlussfolgerung aus der Abwahl des gesamten Parteivorstands war jedoch voreilig und falsch; Christian Dürr hat mittlerweile angekündigt, sich beim Parteitag im Mai wieder um den Parteivorsitz bewerben zu wollen.

ptz/flo/dpa