SpOn 23.05.2026
08:13 Uhr

China: Mehr als 80 Tote bei Grubenunglück – Suche nach Überlebenden läuft


In einem chinesischen Bergwerk hat es eine Explosion gegeben, viele Bergleute wurden unter Tage eingeschlossen. Jetzt haben die Rettungsteams traurige Gewissheit: Für Dutzende Arbeiter kommt jede Hilfe zu spät.

China: Mehr als 80 Tote bei Grubenunglück – Suche nach Überlebenden läuft

Es ist Chinas wohl verheerendstes Minenunglück seit über einem Jahrzehnt: Nach einer Gasexplosion in einer Kohlemine in der nordchinesischen Provinz Shanxi sind laut chinesischen Staatsmedien mindestens 90 Menschen gestorben. Ob nach wie vor weitere Personen in dem Kohlebergwerk eingeschlossen sind, ist bislang unklar. Möglicherweise könnte sich die Anzahl an Toten erneut erhöhen.

Die Rettungsarbeiten laufen auch über 20 Stunden nach der Gasexplosion weiter unter Hochdruck. Laut Angaben chinesischer Staatsmedien sollen rund 750 Einsatzkräfte mobilisiert worden sein. Demnach sind die Verletzungen der meisten Patienten, die derzeit in den umliegenden Krankenhäusern behandelt werden, durch Giftgase verursacht worden.

Tatsächlich bleiben weiterhin viele Fragen rund um das Unglück offen. Am Samstagmorgen hieß es zunächst, dass insgesamt 201 Menschen aus der Mine geborgen wurden, darunter acht Tote. Warum die Todeszahl derart schlagartig nach oben korrigiert wurde, ist bislang unklar.

Chinas Staatschef Xi Jinping forderte unterdessen eine gründliche Untersuchung der Unfallursache. Verantwortliche müssten gemäß den gesetzlichen Vorschriften zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Xi laut staatlicher Nachrichtenagentur Xinhua. Ministerpräsident Li Qiang kündigte zudem eine verstärkte landesweite Aufsicht über die Arbeitssicherheit sowie Sicherheitsüberprüfungen an. Nach jetzigem Kenntnisstand sind zwei Personen von den Behörden in Gewahrsam genommen worden, darunter der Minenbetreiber.

Mine mit »hoher Gasbelastung«

Das Unglück hat sich bereits am Freitagabend in einem Bergwerk im Landkreis Qinyuan ereignet, wie Chinas staatliche Agentur Xinhua berichtete. Während der Explosion sollen sich nach derzeitigem Kenntnisstand 247 Personen unter Tage befunden haben. Laut chinesischen Berichten sei die Mine im Dreischichtsystem betrieben worden, wobei sich das Unglück während eines Schichtwechsels zugetragen habe.

Die Mine besteht laut chinesischen Berichten aus insgesamt sechs Schächten und verfügt über eine Produktionskapazität von 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr. Sie wurde laut der Staatszeitung The Paper von den örtlichen Behörden als Mine mit »hoher Gasbelastung« eingestuft. Damit ist offenbar ein hoher Gehalt an leicht entzündlichem Methan gemeint, das sich in Kohleminen ansammeln kann. Ob die Einstufung der Behörden konkrete Sicherheitsauflagen zur Folge hatte, ist unklar.

Die Provinz Shanxi gilt als eines der Zentren der chinesischen Kohleindustrie. Auch wenn China in den letzten Jahren verstärkt auf erneuerbare Energien setzt, deckt Kohle nach wie vor etwas mehr als die Hälfte des Gesamtenergieverbrauchs des Landes.

Die Kohleindustrie in Shanxi ist für ihre mangelhaften Sicherheitsstandards berüchtigt. In der Vergangenheit kam es in China immer wieder zu schwerwiegenden Unfällen mit vielen Toten. Das letzte größere Minenunglück ereignete sich Anfang 2023. Bei einem Mineneinsturz in der Inneren Mongolei kamen laut Angaben chinesischer Staatsmedien 53 Menschen ums Leben. In dessen Folge führte die Zentralregierung in Peking strengere Sicherheitsauflagen für den Kohlebergbau ein.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt gilt als wichtiger Akteur im Kampf gegen den Klimawandel, löst sich aber nicht von dem klimaschädlichen Energieträger Kohle. Woran das liegen könnte, lesen Sie hier.

oka/AFP/dpa