Die Deutsche Marine bekommt laut der Nachrichtenagentur dpa einen neuen eigenen Hafen im ostfriesischen Emden. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wollte sich nicht zu einer möglichen Entscheidung zum Standort äußern. Der bislang einzige Marinehafen an der Nordsee liegt in Wilhelmshaven, bereits im April wurde die Suche nach einem weiteren Standort bekannt. Als Kandidaten galten unter anderem Emden und Bremerhaven.
Der neue Marinehafen in Emden soll laut dpa Liegeplätze für sieben Fregatten, zehn Minensucher und zehn Schlepper bieten. Voraussichtlich sollen dort eine vierstellige Zahl an Soldaten und zivilen Mitarbeitern tätig sein.
Am kommenden Montag werden Verteidigungsminister Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) in Emden erwartet. Sie wollen das »weitere Vorgehen hinsichtlich eines möglichen neuen Marinestützpunktes erläutern«, zitiert die dpa aus einer Einladung der Staatskanzlei in Hannover. Dabei sein sollen auch der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Wilhelm Tobias Abry, und Emdens Erster Stadtrat Horst Jahnke (SPD).
Potenzieller Marinestandort am Rysumer Nacken in Emden
Foto: Sina Schuldt / dpaDie Staatskanzlei in Hannover hatte zuletzt für Emden als einen Marinestandort geworben. Bis 1997 hatte es in der größten Stadt Ostfrieslands einen Marinestützpunkt gegeben. Niedersachsen sei Bundeswehrland Nummer eins, hatte eine Sprecherin von Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) auf Anfrage zuletzt gesagt. Entsprechend habe die Landesregierung »großes Interesse an einem starken Standort Emden«.
Der Emder Hafen verfügt laut der landeseigenen Hafeninfrastrukturgesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts) unter allen niedersächsischen Häfen über das größte noch ungenutzte Flächenpotenzial. Ein Areal wäre der sogenannte Rysumer Nacken, eine Hafenerweiterungsfläche an der Ems westlich der Seehafenstadt und im Eigentum des Landes. Die Stadt Emden, NPorts und das Land überlegen seit Jahren, wie die Fläche zur weiteren Entwicklung des Hafens genutzt werden kann. Bislang gab es Pläne für eine zivile Nutzung.
Das Verteidigungsministerium gab keine Einzelheiten zum Auswahlverfahren, den Kriterien und den möglichen Orten bekannt. Zuletzt hatte man auf »neue Standort- und Liegenschaftserfordernisse« verwiesen, die sich durch den geplanten Aufwuchs der Streitkräfte ergäben.
1,35 Milliarden sollen nach Bremen fließen
Leer geht das Bundesland Bremen trotz einer möglichen Entscheidung für Emden nicht aus: Bis 2031 sollen rund 1,35 Milliarden Euro investiert werden, um den Hafen in Bremerhaven und den Bremer Flughafen militärtauglich zu machen. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums unterzeichnet . Ziel ist der Aufbau eines »Deployment Hubs«, damit im Ernstfall sowohl deutsche als auch Nato-Soldaten über Bremen und Bremerhaven verlegt werden können.
»Dann müssten Zehntausende Soldaten auf dem Weg an die Ostflanke hier versorgt werden«, sagte Verteidigungsminister Pistorius. »Deshalb werden wir den Hafen, Brücken, Straßen sowie Verkehrsanbindungen ausbauen.« Zu den geplanten 1,35 Milliarden Euro des Bundes will der Bremer Senat mehr als 212 Millionen Euro beisteuern.
