SpOn 14.09.2026
17:45 Uhr

Bundeswehr: Mehrere Hundert Soldaten werden per Befehl nach Litauen geschickt


Die Rede ist von etwa 570 Menschen: Weil sich für die Litauen-Brigade der Bundeswehr nicht genügend Freiwillige gefunden haben, müssen nun Soldaten verpflichtend an die Nato-Ostflanke. Geplant war das so ursprünglich nicht.

Bundeswehr: Mehrere Hundert Soldaten werden per Befehl nach Litauen geschickt

Knapp ein Jahr vor der dauerhaften Stationierung einer deutschen Kampfbrigade in Litauen hat Verteidigungsminister Boris Pistorius entschieden, entgegen der eigentlichen Planung doch einige Hundert Soldatinnen und Soldaten verpflichtend an die Nato-Ostflanke zu schicken.

Nachdem der Minister grünes Licht für die Maßnahme gegeben hat, teilte sein Ministerium mit, dass dies sei für eine Zahl »im mittleren dreistelligen Bereich« nötig sei, in Bundeswehrkreisen ist von etwa 570 Männern und Frauen die Rede.

Trotz intensiver Werbemaßnahmen hat die Bundeswehr für die Brigade, die bis Ende 2027 einsatzbereit sein soll, bisher nicht ausreichend Freiwillige gefunden. Laut dem Ministerium sind zwar 80 Prozent der etwa 5000 Dienstposten für die Brigade bereits besetzt, es gebe aber einige »Mangelbereiche«, damit sind vor allem IT-Techniker, Spezialisten für die Panzerwartung oder Sanitäter gemeint, die man nun per Befehl nach Litauen beordern müsse. Auch in Deutschland sind solche Spezialisten in der Truppe nicht ausreichend vorhanden.

Gemeinsamer Tagesbefehl von Pistorius und Breuer

Das Projekt Litauen gilt als Beweis, dass Deutschland bereit ist, in der Nato eine gewichtigere Rolle zu spielen. Als Reaktion auf die aggressive Haltung Russlands und die Invasion in der Ukraine hatte Pistorius entschieden, einen gefechtsbereiten und voll ausgestatteten Kampfverband fest in Litauen zu stationieren. Dafür sollen bis Ende 2027 knapp 5000 Soldaten sowie 200 zivile Mitarbeiter vor Ort stationiert sein. Feste Standorte werden derzeit im Eiltempo in Rudninkai und Rukla nahe der Grenze zu Belarus aufgebaut.

In einem gemeinsamen Tagesbefehl unterstrichen Pistorius und sein Generalinspekteur Carsten Breuer am Montag erneut die Bedeutung der Stationierung. »Mit der dauerhaften Stationierung der Panzerbrigade 45 in Litauen haben wir einen Auftrag übernommen, der in der Geschichte der Bundeswehr ohne Beispiel ist«, heißt es in dem Befehl, der an alle Soldatinnen und Soldaten verteilt wird. Die Bundeswehr gewährleiste damit die Sicherheit Litauens und zeige sich als verlässlicher Partner, dies diene auch der Absicherung von »Frieden und Freiheit für die Menschen in Deutschland«.

Ursprünglich hatte Pistorius geplant, die Brigade in Litauen ausschließlich mit Freiwilligen zu besetzen und hatte ein umfangreiches Attraktivitätsprogramm aufgelegt. Doch vor allem bei den Mannschaften und einzelnen spezialisierten Einheiten kamen bis heute nicht ausreichend Meldungen zusammen.

Deshalb, so Pistorius und Breuer in dem Tagesbefehl, würden »verpflichtende Maßnahmen erforderlich«. Die beiden sicherten zu, dass die nur dort passiere »wo es für die Einsatzbereitschaft« notwendig sei.

»Wir wissen, dass eine Kommandierung oder Versetzung tief in die persönliche Lebensplanung eingreifen kann«

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer im gemeinsamen Tagesbefehl

Die Bundeswehr hat sich für Litauen ein hohes Ziel gesetzt. Anders als in Deutschland, wo die meisten Kampfverbände traditionell nur zu 80 Prozent mit Personal besetzt sind und auch oft nicht über ausreichend Material verfügen, soll die Brigade an der Nato-Ostflanke von Anfang an komplett sein. Von Militärs heißt es, nur so könne die Brigade den gewünschten Effekt erzielen und das Signal aussenden, dass die Bundeswehr sofort einsatzbereit ist, wenn es an der Nato-Ostflanke zu Spannungen kommt.

Vorsorglich warben Pistorius und Breuer für Verständnis für die möglichen Zwangsversetzungen. »Wir wissen, dass eine Kommandierung oder Versetzung tief in die persönliche Lebensplanung eingreifen kann«, heißt es in dem Tagesbefehl.

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Man werde »jeden Einzelfall sorgfältig betrachten, mit den Betroffenen Gespräche führen, persönliche Härten berücksichtigen und die betreffenden Bundeswehrangehörigen und ihre Familien bestmöglich unterstützen«, versprechen Pistorius und Breuer.

Litauen grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine fühlt sich das Land in besonderem Maße bedroht, fast täglich gibt es in letzter Zeit verdächtige Drohnenüberflüge, für die Litauen Russland verantwortlich macht. Litauens Militärgeheimdienst liegen nach Regierungsangaben Informationen vor, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten unter Einsatz ukrainischer Drohnen erwägen könnte.

mgb