SpOn 23.03.2026
23:40 Uhr

Bill Cosby verliert Missbrauchsprozess – und muss fast 60 Millionen Dollar zahlen


Eine Frau wirft Bill Cosby vor, sie im Jahr 1972 unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben. Eine US-Jury hat den früheren Fernsehstar nun für schuldig befunden – und ihm in zwei Stufen eine Millionenstrafe auferlegt.

Bill Cosby verliert Missbrauchsprozess – und muss fast 60 Millionen Dollar zahlen

Ein Geschworenengericht im kalifornischen Santa Monica hat den früheren US-Schauspieler Bill Cosby zu einer hohen Entschädigungszahlung wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Die Entscheidung fiel in einem Zivilprozess: Die heute 84-jährige Klägerin Donna Motsinger warf dem 88-Jährigen dabei vor, sie Anfang der Siebzigerjahre unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben.

Die Jury sprach Motsinger am Montag (Ortszeit) zunächst 19,25 Millionen Dollar als Entschädigung für ihre Schmerzen und ihr Leid zu, darunter »seelisches Leid, Verlust der Lebensfreude, Unannehmlichkeiten, Trauer, Angst, Demütigung und emotionale Belastung«. In einem zweiten Schritt wurden der Klägerin noch zusätzliche 40 Millionen Dollar Strafschadensersatz zugesprochen. Solche »punitive damages« sind im US-Rechtssystem gebräuchlich, um zusätzlich zu einer Entschädigung auch eine Bestrafung oder Abschreckung zu erwirken. Damit liegt die Gesamtsumme nun bei knapp 60 Millionen Dollar.

54 Jahre des Wartens

Motsinger arbeitete eigenen Angaben zufolge als Kellnerin in einem Restaurant im kalifornischen Sausalito, als sie Cosby kennenlernte. Laut der Klageschrift soll er sie 1972 zu einer seiner Shows eingeladen, sie mit Alkohol und Tabletten wehrlos gemacht und missbraucht haben. Ein neues kalifornisches Gesetz ermöglicht Schadenersatzklagen wegen sexuellen Missbrauchs ohne Einschränkung durch eine Verjährungsfrist.

Es habe 54 Jahre gedauert, um Gerechtigkeit zu erfahren, sagte die Klägerin nach Bekanntwerden des Urteils laut der »New York Times« . Sie hoffe damit, auch anderen Frauen ein wenig zu helfen. Cosbys Anwaltsteam kündigte an, in Berufung zu gehen.

Der ehemalige Schauspieler war in dem Verfahren nicht persönlich erschienen, hatte die Vorwürfe aber über seine Verteidiger und in einer eidesstattlichen Aussage zurückgewiesen. Cosby könne sich an keinen sexuellen Kontakt mit der Frau erinnern, so seine Anwälte. Sollte es dennoch zu einer Begegnung gekommen sein, sei diese einvernehmlich gewesen.

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Der Schauspieler war 2018 in einem Strafprozess wegen sexueller Nötigung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, doch nach knapp drei Jahren im Gefängnis kam er 2021 frei. Wegen eines Verfahrensfehlers war die Verurteilung überraschend gekippt worden.

Danach wurde er weiter mit Zivilklagen konfrontiert. 2022 befand ihn eine Jury in Los Angeles des sexuellen Missbrauchs einer 16-Jährigen im Jahr 1975 für schuldig und sprach der Klägerin 500.000 Dollar zu. Der Zivilprozess fand damals im selben Gerichtsgebäude statt, wie die aktuelle Verhandlung.

Cosby wurde in den USA jahrzehntelang als »America’s Dad« verehrt. In der Rolle als liebenswürdiger Arzt und gutmütiger Familienvater in der »Bill Cosby Show« war er einer der beliebtesten TV-Stars des Landes. Auf die Missbrauchsvorwürfe Dutzender Frauen folgte ein tiefer Fall. Mehr dazu erfahren Sie hier.

dtt/aar/AFP/dpa