SpOn 25.03.2026
08:49 Uhr

BKA-Chef Holger Münch: Kokain-Preise sinken, Heroin wird teurer - und gefährlicher


BKA-Chef Holger Münch beobachtet Veränderungen auf dem Drogenmarkt in Deutschland: Demnach ist Kokain derzeit billiger und Heroin teurer. Auch zu den Folgen der Teillegalisierung von Cannabis äußert er sich – kritisch.

BKA-Chef Holger Münch: Kokain-Preise sinken, Heroin wird teurer - und gefährlicher

Kokain wird günstiger, bei gleichbleibend hoher Qualität – das ist laut BKA-Präsident Holger Münch ein Indiz dafür, dass die Droge auf dem deutschen Markt aktuell in großen Mengen vorhanden ist.

Allerdings hätten die Drogenbanden ihre Taktik verändert: Nach Beschlagnahmen großer Mengen Kokain in europäischen Häfen wie Hamburg, Rotterdam und Antwerpen gebe es inzwischen weniger Großsicherstellungen. Man gehe davon aus, dass nun häufiger geringere Mengen importiert würden, auf unterschiedlichsten Wegen, sagte Münch der Nachrichtenagentur dpa.

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Ein Beispiel dafür sei das sogenannte Drop-off, bei dem mit einem GPS-Sender ausgestattete Drogenpakete auf See abgeworfen und dann von Komplizen auf anderen Schiffen oder auch kleineren Booten eingesammelt werden. Die Banden wichen zudem auf kleinere Häfen und alternative Routen aus. »Portugal und Spanien etwa stehen mittlerweile im Blickpunkt.«

Anbauverbot der Taliban in Afghanistan

Dass Heroin im Gegensatz zum Kokain derzeit teurer ist, hat demnach mit den islamistischen Taliban zu tun, die 2021 in Afghanistan erneut die Macht übernommen haben. Der Anbau von Schlafmohn, aus dem der Heroin-Rohstoff Opium gewonnen wird, wurde 2022 von den Taliban verboten.

»Während bei Kokain die Anbaumengen immer größer werden, ist es im Heroinbereich umgekehrt, dadurch, dass in Afghanistan der Anbau quasi verboten wurde«, so Münch. Das habe zur Folge, dass beim Heroin die Preise stiegen und die Qualität sinke. Heroin werde deshalb nun mit verschiedenen synthetischen Drogen versetzt, was das gesundheitliche Risiko für die Konsumenten erhöhe.

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Bei der Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität habe die Polizei deshalb aktuell mehrere Schwerpunkte, erklärt der Behördenchef: »Bei Kokain setzen wir auf Maßnahmen entlang der kompletten Logistikkette – von der Herstellung über den Schmuggel nach Europa.« Im Bereich der synthetischen Drogen gehe es um die gesetzliche Kontrolle und Überwachung von Grundstoffen für die illegale Herstellung von Betäubungsmitteln und die Feststellung illegaler Labore in Europa.

Kritik am Cannabisgesetz – Schwarzmarkt weiterhin groß

Der BKA-Präsident zog knapp zwei Jahre nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes eine kritische Bilanz. »Es gibt nach wie vor einen großen Schwarzmarkt für Cannabis in Deutschland«, sagte Münch. Was in deutschen Anbauvereinen sowie auf Balkonen und Fensterbänken wachse, könne den Bedarf der Konsumenten bei Weitem nicht decken. »Neben den Lieferungen aus Spanien und Marokko sehen wir mittlerweile auch große Mengen aus den USA und aus Kanada«, so Münch weiter.

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Der BKA-Chef benennt mehrere Punkte, die aus polizeilicher Sicht problematisch seien. So seien die Grenzen für den legalen Besitz aus seiner Sicht zu hoch. »Es ist schwer, den Kleindealer noch zu erkennen, wenn der Besitz von 25 Gramm in der Tasche und 50 Gramm zu Hause erlaubt ist«, sagt Münch. Unter dem Strich steht für ihn fest: »Cannabis ist nach wie vor eine lukrative Einnahmequelle für Kriminelle – aber wir haben es schwerer, bestimmte Delikte zu verfolgen und auch sie zu erkennen.«

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte das Gesetz im Oktober als »Scheißgesetz« bezeichnet. Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sieht Änderungsbedarf beim Gesetz für den Cannabiskonsum.

ala/dpa