Kaum eine Woche nach der gescheiterten Hinrichtung der verurteilten Mörderin Christa Pike rückt die US-Regierung eine andere Exekution in den Fokus. Präsident Donald Trump hat in der Nacht zum Dienstag die Ausführung der Todesstrafe bei dem ehemaligen Militärpsychiater Nidal Hasan genehmigt. Hasan hatte 2009 einen Amoklauf auf dem U.S.-Army-Stützpunkt Fort Hood verübt.
Anders als Pike, die zwei Giftspritzen überlebte (mehr dazu hier ), soll Hasan per Erschießungskommando exekutiert werden. Zeitpunkt und Ort sind offen. Es wäre die erste Hinrichtung durch das Militär seit mehr als 60 Jahren. Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Warum wurde Nidal Hasan zum Tode verurteilt?
Am 5. November 2009, wenige Wochen vor seinem geplanten Auslandseinsatz in Afghanistan, eröffnete der damals 39 Jahre alte Militärpsychiater in einer medizinischen Einrichtung auf dem Stützpunkt das Feuer. Bei dem Angriff tötete er zwölf unbewaffnete Soldaten im aktiven Dienst und einen pensionierten Soldaten. 32 weitere Menschen wurden verletzt. Hasan wurde von der Polizei angeschossen. Seitdem ist er von der Hüfte abwärts gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen.
Der Prozess begann im August 2013. Damals bestand der Armeepsychiater darauf, sich selbst zu verteidigen, rief allerdings weder Zeugen auf, noch machte er entlastende Aussagen. »Die Beweise werden eindeutig zeigen, dass ich der Schütze bin«, erklärte Hasan zu Prozessbeginn. Die Schüsse auf seine Kameraden begründete Hasan damit, dass diese in Afghanistan einen »illegalen Krieg« gegen Muslime führten.
Im August 2013 sprach ein US-Militärgericht Hasan in mehreren Fällen des vorsätzlichen und versuchten Mordes schuldig und verhängte die Todesstrafe.
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Wie oft kommt es zu vergleichbaren Vorfällen?
Während Amokläufe in den USA längst keine Seltenheit mehr sind – das Gun Violence Archive zählt 503 allein im vergangenen Jahr –, sind Schusswaffenangriffe auf militärischen Einrichtungen vergleichsweise selten. Der »Guardian« hat jüngere Fälle zusammengetragen. 2025 eröffnete demnach ein Soldat auf einem US-Militärstützpunkt im Bundesstaat Georgia das Feuer. Er verletzte fünf Kameraden, bevor er überwältigt und festgenommen wurde. 2019 erschoss ein US-Matrose zwei Menschen auf einem Stützpunkt in Hawaii und verletzte einen dritten. Im selben Jahr tötete ein Militärstudent drei Menschen in einer Militäreinrichtung in Florida.
Wie üblich sind Todesurteile für Mitglieder der US-Armee?
Todesurteile sind im Militärjustizsystem der USA äußerst selten, Hinrichtungen noch seltener. Derzeit sitzen vier Männer – darunter Hasan – in der Todeszelle des Militärs in Fort Leavenworth, Kansas.
Zuletzt genehmigte US-Präsident George W. Bush 2008 die Hinrichtung eines Armeeangehörigen. Der frühere Armeekoch Ronald Gray war 1988 wegen Mordes, versuchten Mordes und mehrfacher Vergewaltigung zum Tode verurteilt worden. Am 26. November 2008, zwei Wochen vor dem geplanten Hinrichtungstermin, setzte ein Richter die Exekution aus. Gray ist heute 61 Jahre alt und sitzt weiterhin in Leavenworth.
Die letzte tatsächlich vollstreckte Hinrichtung eines Armeeangehörigen liegt 65 Jahre zurück. Ein in Österreich stationierter US-Soldat war wegen der Vergewaltigung und des versuchten Mordes eines elfjährigen Mädchens zum Tode verurteilt und 1961 erhängt worden.
Militärgefängnis auf dem Stützpunkt Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas
Foto:ZUMA Press / IMAGO
Warum kann Donald Trump eine Hinrichtung anordnen?
Nach dem US-Militärstrafrecht muss ein Todesurteil einstimmig von der Jury gefällt werden. Daraufhin muss der Präsident – in diesem Fall Donald Trump – das Urteil ausdrücklich genehmigen und die Hinrichtung anordnen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte Trump bereits im September 2025 um die Genehmigung gebeten.
Gemäß den Vorgaben des US-Militärs muss die Todesstrafe dann spätestens 150 Tage nach der Genehmigung vollstreckt werden, frühestens jedoch nach 60 Tagen. Bis dahin kann die Hinrichtung noch gestoppt oder aufgeschoben werden – wie 2008 geschehen.
Würde das Urteil vollstreckt, wäre es laut US-Medien nicht nur die erste Hinrichtung eines Armeeangehörigen seit 1961, sondern auch die erste Hinrichtung auf Bundesebene seit Januar 2021. Trump ließ damals in den finalen Wochen seiner ersten Amtszeit 13 Häftlinge exekutieren.
Wie fehlerhaft sind Hinrichtungen?
Die fehlgeschlagene Hinrichtung von Christa Pike hat erneut gezeigt: Auch moderne Methoden der Exekution laufen nicht immer wie vorgesehen.
Das Death Penalty Information Center hat Hinrichtungen zwischen 1890 und 2010 dokumentiert und ausgewertet. Demnach lag die Fehlerquote beim Erschießungskommando bei null Prozent. Bei Hinrichtungen mit der Giftspritze betrug sie 7,2 Prozent – der höchste Wert unter den untersuchten Methoden. Allerdings gab es in diesem Zeitraum 1054 Hinrichtungen per Giftinjektion, aber nur 34 durch ein Erschießungskommando. Am häufigsten kam demnach der elektrische Stuhl zum Einsatz, mehr als 4000 Mal, mit einer Fehlerquote von 1,92 Prozent.
