Der Filmemacher und Autor Alexander Kluge ist tot. Wie der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf seine Familie dem SPIEGEL bestätigte, starb er bereits am Mittwoch im Alter von 94 Jahren in München.
Kluge wurde 1932 in Halberstadt als Sohn eines Landarztes geboren, noch Ende des Jahres 1944 wurde er zum Volkssturm eingezogen. Nach dem Abitur studierte er ab 1950 Jura, Geschichte und Kirchenmusik. Sein Referendariat absolvierte er am Frankfurter Institut für Sozialforschung, dem Zentrum der Kritischen Theorie, wo er in Theodor W. Adorno einen Mentor fand.
Zunächst war er als Anwalt tätig, berühmt wurde er aber in den folgenden Jahrzehnten eher als Gesellschaftsanalytiker der Bundesrepublik, der ganz unterschiedliche Genres bespielte. Kluge war auf vielen Feldern des Denkens und Beobachtens aktiv: als Essayist ebenso wie als Regisseur und Medienmanager. In den Sechziger- und Siebzigerjahren wurde er als einer der einflussreichsten Vertreter des Neuen Deutschen Films bekannt, 1962 war er einer der Filmemacher, die mit dem »Oberhausener Manifest« ein Kino der Autoren forderten. Kluge inszenierte Filme wie »Abschied von gestern«, »Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos« und »In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod«.
Alexander Kluge (2009)
Foto: Bernd Kammerer / action pressAls Autor gehörte er zum Kreis der prägenden Gruppe 47, die den Literaturbetrieb in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit prägte, und machte sich vorwiegend mit Kurzgeschichten einen Namen.
Ab 1963 lehrte Kluge zudem als Professor an der Hochschule für Gestaltung in Ulm (Abteilung für Filmgestaltung), ab 1973 als Honorarprofessor an der Universität Frankfurt am Main, wo er im Sommer 2012 auch Poetikdozent war.
Mehrfach ausgezeichnet
1987 war Kluge Mitbegründer der Produktionsfirma dctp, die private Fernsehsender wie Sat.1 oder RTL mit wissenschaftlichen und kulturellen Beiträgen versorgt. Gemeinsam mit der dctp produzierte DER SPIEGEL ab 1988 das SPIEGEL TV Magazin. Für seine Bücher und Filme erhielt Kluge unter anderem den Adolf-Grimme-Preis, den Georg-Büchner-Preis, den Heinrich-Heine-Preis sowie den Klopstock-Preis.
Noch vor wenigen Wochen hatte er mit der »Zeit« über seinen gerade verstorbenen Freund Jürgen Habermas gesprochen – damals äußerte er sich auch zu seinem aktuellen Blick auf Gesellschaft: »Heute sehen wir eine seltsam veränderte Welt. Manche sprechen sogar von einer ›dunklen Aufklärung‹, die vor allem im Umfeld des Silicon Valley entstanden ist.«

