Sechs Funkhäuser sind an der ARD-Sendung »Titel, Thesen, Temperamente« beteiligt, die traditionsreiche Sendung gilt als Kultur-Aushängeschild des Senderverbunds. Dennoch dauerte es mehr als ein Jahr, bis ein neuer Moderator gefunden war. Nun steht die Personalie fest: Journalist Thilo Jahn, 44, bekommt den zweiten Moderationsposten neben Hauptmoderatorin Siham El-Maimouni.
Erleichterung dürfte sich einstellen, denn die Findungsphase für diesen Posten stand unter Beobachtung, nachdem die ARD Ende 2024 zunächst den Autor Thilo Mischke, 43, zum Co-Moderator hatte ernennen wollen. Dann kamen Sexismusvorwürfe auf, die sich vor allem auf ehemalige Äußerungen und Publikationen bezogen. Unter anderem Mischkes Romane »In 80 Frauen um die Welt« aus dem Jahr 2010 und »Die Frau fürs Leben braucht keinen großen Busen« von 2013 wurden kritisiert, genauso wie Sätze über Vergewaltigungen als Teil der Evolutionsgeschichte des Menschen, die er in einem Podcast geäußert hatte.
Kulturschaffende unterzeichneten einen offenen Brief gegen Mischke als Moderator, darunter die Schriftsteller und Schriftstellerinnen Alena Schröder, Saša Stanišić, Jan Brandt, Ulrike Draesner, Margarete Stokowski und Till Raether, außerdem Journalisten, Aktivisten und andere Kulturschaffende. Die Kultursendung würde »nachhaltig beschädigt«, so die Unterzeichner. Die ARD habe sich nicht genügend mit dem Werk Mischkes auseinandergesetzt.
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Zunächst hatte die ARD an Mischke festhalten wollen, machte aufgrund lang anhaltender Kritik aber einen Rückzieher. MDR-Kulturchefin Jana Cebulla nannte das »einen Grenzfall, der uns zu Veränderungen veranlasst hat.« Seitdem veränderten sich auch intern die Verantwortlichkeiten in den »ttt«-Redaktionen der ARD.
Thilo Jahn arbeitet seit mehreren Jahren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, etwa für den WDR, DLF Nova und ONE. Er bekam 2015 den Grimme-Preis für das Format »Mr. Dicks – Das erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin« und 2019 den Deutschen Radiopreis. Siham El-Maimouni soll weiterhin Hauptmoderatorin der Sendung bleiben, Jahn soll etwa ein Drittel des Sonntagabend-Magazins präsentieren.
