Na, wollten Sie schon mal voller Tatendrang den Kleiderschrank aufräumen und haben Stunden später frustriert zwischen Klamottenbergen gesessen und aufgegeben? Damit sind Sie nicht allein. Ordentlich zu sein, wird in unserer Gesellschaft zwar hoch angesehen, das lernen wir bereits als Kinder – trotzdem verzweifeln viele Menschen immer wieder daran. Hinter dem scheinbar banalen Thema des Aufräumens steckt eine erstaunliche Tiefe.
Sabine Haag erklärt im Interview, welchen Einfluss Kindheitsprägungen, Neurodivergenz und Schuldgefühle gegenüber unseren Großeltern darauf haben, wie chaotisch unsere Wohnungen sind. Sie ist Aufräumexpertin und vermittelt am Center for Professional Organizers , wie jeder Mensch die passende Struktur für sich finden kann.
SPIEGEL: Frau Haag, wie findet man heraus, welche Aufräummethode zu einem passt?
Haag: Das ist sehr individuell. Bevor man sich für eine Methode entscheidet, muss man wissen, was man selbst braucht: Möchte ich alles hinter verschlossenen Türen haben oder muss ich meinen Besitz sehen? Da sind die Menschen sehr verschieden! Lebe ich allein, mit Kindern, mit einem Partner? Und wie sind die Menschen, mit denen ich zusammenlebe, veranlagt? Erst wenn man das weiß, sollte man nach der passenden Methode suchen. Es nützt nichts, wenn meine Ordnungsstruktur von allen anderen torpediert wird. Man sollte sich mit der Suche nach dem perfekten System auch nicht allzu sehr stressen: Die wenigsten Menschen finden eine Methode, die hundertprozentig zu ihnen passt. Meistens puzzelt man sich etwas aus verschiedenen Ansätzen zusammen.
