SpOn 14.05.2026
07:48 Uhr

(+) Udo Lindenberg sang einst über die Liebe zu einer 14-Jährigen. Wie skandalös ist das?


(+) Udo Lindenberg sang einst über die Liebe zu einer 14-Jährigen. Wie skandalös ist das?

Pünktlich zu seinem 80. Geburtstag am 17. Mai 2026 entdeckt eine interessierte Öffentlichkeit im Netz derzeit, was Udo Lindenberg 1976 so gesungen hat.

In dem Song »Nina« schmachtete Lindenberg ein junges Mädchen an: »Und das hast du gemerkt, und das findst du gut, nicht? Sei mal ganz ehrlich! Doch wir können solche Sachen leider nicht machen, denn du bist 14, und das ist zu gefährlich.«

Um der Vorstellungskraft seiner Hörerschaft auf die Sprünge zu helfen, wurde Lindenberg anlässlich eines TV-Auftritts mit diesem Song eine sehr, sehr junge Komparsin an die Seite gestellt, die den 30-Jährigen verliebt anschauen und seine Minne stumm über sich ergehen lassen musste.

Es ist schwer erträglich, sich »Nina« im Abstand von einem halben Jahrhundert anzuhören. Aber ist es auch skandalös?

DER SPIEGEL 21/2026

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In den Siebzigerjahren war es das augenscheinlich nicht. Mit der verführerischen »Kindfrau« bedient sich Lindenberg eines Topos, der im Nachgang der »sexuellen Befreiung« in gewissen Kreisen absolut gängig war. Dahinter steckte dann die Idee einer freien Liebe, die am Ende doch wieder darauf hinauslief, dass der Mann machen konnte, was er wollte, und die junge, fast noch kindliche Frau als Projektionsfläche nutzte für sexuelle Tabubrüche.

Wohlfeile Empörung

Wovon Lindenberg singt, das hatten berühmtere Kollegen kurzerhand ausgelebt. Jerry Lee Lewis heiratete bereits 1957 seine 13-jährige Cousine zweiten Grades. Elvis Presley lernte seine Priscilla kennen, als sie 14 Jahre alt war. Bill Wyman, Bassist der Rolling Stones, schrieb noch 1990 in seiner Autobiografie über seine spätere Ehefrau Mandy, die habe ihm als 13-Jährige »den Atem geraubt«.

Durchgewinkt wurden solche Verbindungen übrigens auch damals nicht, sondern waren oft mit gesellschaftlicher Stigmatisierung verbunden – weshalb Stars wie David Bowie, Iggy Pop oder Jimmy Page von Led Zeppelin ihre einschlägigen Begierden diskreter erfüllten. Steven Tyler (Aerosmith) wird von einem Fall eingeholt, der sich 1975 zugetragen haben soll. Am 31. August wird er sich vor Gericht dafür verantworten müssen, als 27-Jähriger die minderjährige Julia Misley »sexuell genötigt« zu haben. In seinen Memoiren nennt er das Opfer freimütig seine »Teenie-Braut«.

Ohnehin erscheint diese Ära des Rock und Pop im Rückblick als ziemlich barbarische Zeit, aus der Männer als Legenden hervorgingen, während die Opfer dieser Legendenbildungen bis heute weitgehend vergessen werden. Minderjährige Mädchen zierten Plattencover von Blind Faith (»Blind Faith«, 1969) oder den Scorpions (»Virgin Killer«, 1976). Und die weichgezeichneten Aktbilder des Fotografen und Regisseurs David Hamilton (»Bilitis«, 1977) galten als geschmackvolle Erotik.

Am anderen Ende der Skala, in der Bahnhofsbuchhandlung, waren schäbige »FKK«-Heftchen mit den Abbildungen auch von Kindern erhältlich. Bei den Grünen in Berlin organisierten sich einige Pädophile anfangs in einem eigenen Arbeitskreis namens »Jung und alt«.

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