Treffen sich zwei Frauen in der Staubsaugerabteilung und geraten ins Plaudern. Sagt die eine zur anderen: »Sie sind wohl auch Mutter?« Nickt die andere und antwortet: »Er ist vier«. Beide scheinen sich einig, dass der angebotene Handstaubsauger sich hervorragend eignet, um Schmutz vom jüngsten Parkbesuch zu Hause zu beseitigen. »Kinder eben!«, seufzt eine der beiden. So beginnt eine Werbekampagne des deutschen Elektrowarenherstellers Bosch in der Türkei. Über die Pointe des zum Muttertag geschalteten Spots konnte die türkische Regierung allerdings nicht lachen.
Bosch' tan harika bir reklam pic.twitter.com/JH6XmXhyqS
— sokak kedisi (@denizseckin0555) May 3, 2026
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Die zweite Szene zeigt, wie eine der beiden Frauen mit dem noch verpackten Staubsauger nach Hause kommt. Sie ruft nach ihrem »Söhnchen«. Statt eines vier Jahre alten Jungen läuft ihr jedoch ein schwanzwedelnder Border Collie mit Teddy im Maul entgegen. Die Werbung schließt mit einem Muttertagsgruß an »alle Mütter«. Für konservative Kreise im Land ist das ein Affront.
Die islamistische Tageszeitung »Yeni Şafak« sieht in dem Werbespot einen Angriff auf die Familie. Das Blatt, das als Sprachrohr der Regierung gilt, kritisierte die Reklame in einem Leitartikel als »Propaganda für Hunde statt Kinder«. Wenig später schaltete sich dann die Medienaufsicht RTÜK ein. Mehmet Daniş, der Chef der Behörde, kritisierte die Reklame als »Entwürdigung des Mutterbegriffes« – und erkannte gar einen »Verstoß gegen den verfassungsrechtlichen Schutz der Familie« und eine Entweihung der »heiligen türkischen Familie«. Diese, so sei man sich im Land eigentlich einig, bestehe aus »Vater, Mutter, Kind«. Schließlich mischte sich auch Familienministerin Mahinur Özdemir Göktaş ein.
