SpOn 24.05.2026
12:11 Uhr

(+) Stromnetz: Wie LEW-Ingenieurin Barbara Plura die Netze nachverdichtet


Die Anschlüsse für Ökostrom und Speicher werden knapp. Ingenieurin Barbara Plura hat einen Weg gefunden, mehr Anlagen in bestehende Netze zu quetschen. Ein Modell für ganz Deutschland?

(+) Stromnetz: Wie LEW-Ingenieurin Barbara Plura die Netze nachverdichtet

Auf einem Acker, am Rande des bayerischen Pfarrdorfs Balzhausen, findet man eine vielversprechende Antwort auf das wohl größte Problem der Energiewende. Barbara Plura, 33, von Beruf Netzplanerin bei der LEW Verteilnetz, zeigt auf eine Metallluke, unter der ein paar dicke schwarze Kabel zusammenlaufen. Es ist einer der berühmt-berüchtigten Anschlusspunkte für Ökostromanlagen und Batteriespeicher, die in der Bundesrepublik gerade so rar sind.

DER SPIEGEL 22/2026

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Projektierer von Wind- und Solarparks warten aktuell teils Jahre auf einen solchen Anschluss. Denn der Ausbau der Stromnetze hinkt dem Anlagenbau hinterher. Allein bei den Höchstspannungsleitungen liegt Deutschland fast 6000 Kilometer hinter Plan. Bei den Verteilnetzen, die bis ins kleinste Dorf reichen, braucht es laut einer Analyse  der Bergischen Universität Wuppertal bis 2045 mehr als 500.000 Kilometer neue Kabel. Und rund eine halbe Million Transformatoren, die die Spannung des Solar- und Windstroms heben oder senken, damit er durch verschieden starke Leitungen zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern fließen kann.

Das Spaghettinetz-Problem

Die aktuellen Engpässe im Netz führen zu absurden Situationen: Fertige Anlagen können teils über Monate keinen Strom einspeisen. Projektierer müssen teils kilometerweit Kabel durch fremde Grundstücke verlegen lassen, um den nächsten freien Trafo zu erreichen. Leonhard Birnbaum, der Chef des Energiekonzerns E.on, zu dem auch die LEW Verteilnetz gehört, spricht spöttisch vom »Spaghettinetz«.

Ein weiterer Grund für den Kabelsalat ist ein antiquiertes Vergabeverfahren. Betreiber von Anlagen müssen Anschlüsse stets bei den Netzbetreibern anfragen. Die wiederum müssen auf Basis komplexer Variablen den gesamtwirtschaftlich sinnvollsten Anschlusspunkt ermitteln. Das Vorgehen stammt aus einer Zeit, in der nur ein paar zentrale Stromerzeuger ans Netz wollten – nicht Millionen Solaranlagen, Zehntausende Windräder und immer mehr Batteriespeicher.

Beim E.on-Konzern, der rund ein Drittel des deutschen Verteilnetzes betreibt, kämpfen sie mit dieser Dynamik besonders. »Wir brauchten mehr als 15 Jahre, um die erste Million Erneuerbare-Energien-Anlagen an unsere Netze anzuschließen«, sagt Birnbaum. »Die zweite dauerte zweieinhalb Jahre. Bis Ende des Jahrzehnts könnten wir bei rund vier Millionen Anlagen sein.«

Es braucht also eine Lösung, etwas Handfestes. Und Ingenieurin Plura, die angewandte Wissenschaft in Augsburg studiert hat, in ihrer Freizeit Fußball spielt und gern mal mit dem Rucksack durch Südamerika reist, hat mit ihrem Team nun so etwas Handfestes ersonnen: die sogenannte Einspeisesteckdose.

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