SPIEGEL: Frau Kliese, viele Menschen fragen sich, wohin sie noch in den Urlaub fahren können. Ist Reisen gefährlicher geworden?
Kliese: Reisen war schon immer mit Risiken verbunden. Krisen und Katastrophen sind oft nicht vorhersehbar, denken Sie an die Zeit der islamistischen Terroranschläge in Frankreich oder Großbritannien vor gut zehn Jahren. Im Vergleich dazu kam der jüngste Irankrieg mit Ansage. Richtig ist, dass in den vergangenen Jahren Spannungen weltweit zugenommen haben. Umso wichtiger ist es, sich vor einer Reise gut zu informieren.
SPIEGEL: Hat sich das Reiseverhalten der Deutschen verändert?
Kliese: Wir beobachten eine größere Mobilität zu exotischeren oder weiter entfernten Reisezielen. Hinzu kommen Familienbesuche im Ausland, weil viele Deutsche eine Migrationsgeschichte haben oder Verwandte ins Ausland gezogen sind.
SPIEGEL: Lesen die dann die Reisehinweise auf der Internetseite des Auswärtigen Amts?
Kliese: 35 Millionen Menschen tun das jährlich. Nicht nur auf der Internetseite, sondern auch in unserer App »Sicher reisen«. Dort kann man Länder anpinnen und bekommt Push-Nachrichten, wenn sich die Reisehinweise ändern. Es ist das am meisten nachgefragte Angebot des Auswärtigen Amts .
SPIEGEL: In der Iran-Krise hatte selbst Außenminister Johann Wadephul offenbar die Reisehinweise nicht richtig gelesen, jedenfalls behauptete er in einem Fernsehinterview, es habe vor Beginn der Kampfhandlungen eine Reisewarnung für die Golfstaaten gegeben, was nicht stimmte, später korrigierte er sich . Welche Kategorien gibt es?
Kliese: Wir unterscheiden Reise- und Sicherheitshinweise. Reisehinweise beziehen sich auf alles, was man für eine Reise wissen muss: Wie kann ich einreisen? Was muss ich aus medizinischer Sicht beachten? Welche rechtlichen Besonderheiten gibt es? Darf ich irgendwas nicht fotografieren?
SPIEGEL: Und die Sicherheitshinweise?
Kliese: Da weisen wir auf Vorfälle oder sicherheitsrelevante Umstände hin. Etwa dass man Demonstrationen meiden soll, weil es dort eskalieren könnte. Oder dass man sich kooperativ gegenüber lokalen Behörden verhalten sollte. Oft stufen wir auch innerhalb eines Landes ab und raten nur von Reisen in bestimmte Regionen ab. Thailand ist beispielsweise ein eher unproblematisches Reiseland, aber man sollte nicht in bestimmte Regionen im Süden des Landes fahren.
SPIEGEL: Das ist aber noch keine generelle Warnung.
Kliese: Das ist jedenfalls keine formelle »Reisewarnung«. Diese formelle Reisewarnung ist eine eigene Kategorie – und im Auswärtigen Amt die höchste Warnstufe für Reisen. Eine solche Reisewarnung sprechen wir aus, wenn eine konkrete Gefahr für Leib und Leben besteht. Manchmal beschränken wir die Warnung auf einen Teil eines Landes, das ist dann eine Teilreisewarnung. Im Falle Thailands wäre das dann die unmittelbare Grenzregion zu Kambodscha.

