Beim Packen bin ich Profi. Ich weiß, dass Kartons mit Büchern zu schwer werden, lange bevor sie voll sind. Ich wickle Gläser so in Handtücher, dass sie den Umzug überleben. Und ich weiß auch: »Krimskrams« ist keine gute Beschriftung für einen Karton, sondern eine Einladung, ihn niemals auszupacken.
Denn in den letzten fünf Jahren bin ich siebenmal umgezogen: für Praktika, mein Bachelorstudium, noch mal Praktika, nun den Master.
Die Zwanziger sind für viele eine Zeit des Aufbruchs. Wir suchen den passenden Ausbildungsplatz, das Traumpraktikum oder den ersten Job. In einer Arbeitswelt voller befristeter Verträge müssen wir flexibel bleiben, ständig bereit für die nächste Station. Und dann ist da noch der Wunsch, möglichst viele unterschiedliche Erfahrungen zu machen, solange noch alles offen scheint.
Laut einer Umfrage der Beratungsfirma EY aus dem Jahr 2025 sind 68 Prozent der Studierenden bereit, nach ihrem Abschluss für einen Job in ein anderes Bundesland ziehen. Jede fünfte junge Person denkt laut der aktuellen Trendstudie »Jugend in Deutschland« sogar darüber nach, auszuwandern. Mobilität ist für viele von uns normal.
Ich habe mich daran gewöhnt, Dinge schnell einzupacken. Woran ich mich aber nicht gewöhnt habe: Dinge zurückzulassen. Denn bei jedem Umzug lasse ich mehr als die alten Wohnungsschlüssel hinter mir: das Wissen, welches Gericht man in der Mensa besser meidet. Die Wohnungen, in denen ich jeden Lichtschalter blind finde. Und die Freundinnen, bei denen ich mich fallen lassen kann.
Bei jedem Umzug freue ich mich zwar auf Neues. Aber gleichzeitig entferne ich mich mit jeder gepackten Kiste ein Stück weiter von dem Gefühl, mich irgendwo zu Hause zu fühlen. Wie kann man ankommen, obwohl man ständig im Aufbruch ist?
Zwischen Aufbruch und Stabilität
Bei meiner Suche nach einer Antwort stoße ich auf Beate Mitzscherlich. Als Psychologieprofessorin an der Westsächsischen Hochschule Zwickau hat sie untersucht, wie ein Ort zur Heimat wird.
