SPIEGEL: Frau Unger, Gesundheitsministerin Nina Warken will in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sparen. Unter anderem soll die Beitragsbemessungsgrenze deutlich nach oben gesetzt werden. Damit könnte es für Gutverdiener interessanter werden, eine private Krankenversicherung (PKV) abzuschließen. Was sagen Sie den Menschen, die Sie zu diesem Thema beraten?
Unger: Ich finde es verständlich, wenn manche Versicherte frustriert sind. Gerade Freiberufler und Selbstständige kann so eine Erhöhung hart treffen, sie teilen sich den Versicherungsbeitrag ja nicht mit ihrem Arbeitgeber wie die Angestellten und müssen den vollen Mehrbetrag allein stemmen. Aber allen, die mit dem Gedanken an die PKV spielen, raten wir dringend, die Entscheidung nicht vorschnell zu treffen. Wer jetzt aus Verärgerung wechselt, riskiert, dass er sich das in ein paar Jahren nicht mehr leisten kann.
SPIEGEL: Was kann passieren?
Unger: Die Höhe der PKV-Beiträge bemisst sich an den Bedingungen des Vertrags. Also vor allem an den vereinbarten Leistungen und der individuellen Risikoeinschätzung. Wer älter oder vorerkrankt ist, muss meist höhere Beiträge zahlen. Ob Sie sich das dann später noch leisten können, interessiert die Versicherung wenig.
SPIEGEL: Und bei der Gesetzlichen?
Unger: Dort richtet sich die Höhe der Beiträge nach Ihrem Einkommen, sodass Sie weniger zahlen, wenn es mal schlechter läuft.
SPIEGEL: Raten Sie grundsätzlich von der PKV ab?
Unger: Nein, zwei Gruppen raten wir sogar oft zum Wechsel in die PKV. Das sind zum einen Beihilfeberechtigte, also meist Beamte. Sie müssen durch die Leistungen der Beihilfe nur einen kleinen Teil ihrer Gesundheitskosten versichern und zahlen dadurch vergleichsweise kleine Beiträge. Die andere Gruppe sind Menschen, die unabhängig von der Arbeit sichere Einkünfte haben, etwa Mieteinnahmen. Ansonsten ist das sehr individuell.

